Freudig berührt, begeistert sprach Pater Wilfrid: „Ja, unser Abbas! Eine Perle! Gott erhalte ihn uns ungezählte Jahre!“

„Ganz meine Meinung! Und noch eine Neuigkeit haben wir im Hause! Die erquickende Milde des Abbas hat dem anderen Novizen, Modestus, den Mut gegeben, sich dem Abte anzuvertrauen. Geständnis: Kein Beruf zum Priester und erst recht nicht für das Klosterleben! Will Medizin studieren!“

„Alle Wetter, so’ne Bescherung! Auf Stiftskosten studiert und jetzt ausspringen! Was hat denn der Abt gesagt?“

„Wunderschönes Diktum! Summus Abbas sprach: ‚Wir können auch tüchtige, christlich denkende Ärzte brauchen, die das Ordenswesen aus eigener Erfahrung kennen!‘ Und der Abbas will auch uns, id est conventus, angehen, nach Maßgabe der Stiftsverhältnisse eine Unterstützung zu bewilligen! Erquickende Toleranz, was?“

„Wahrhaftig erquickend! – Nun aber Schluß! Ich bin rechtschaffen müde! Muß aber noch die Kampfpredigt endgültig zu Papier bringen!“

„Wünsche viel Vergnügen und gute Verrichtung ad hoc! Salve!“

Die Patres-Pfarrer trennten sich, und Wilfrid suchte seine Zelle auf und schrieb fleißig in die Nacht hinein mit gutem Erfolge...

*

Mit dichtem, langsam ziehendem Allerheiligen Nebel begann der Morgen des Augustsonntages. Kühl war es im einsamen Halltale, frostig in den Gemächern der Villa. Die Bewohner fröstelten wohl alle, bis auf die Köchin in der Küche, wo es wohlig warm war. Und auch Fürstin Sophie empfand die Morgenkühle in dem Moment nicht, da die Kammerfrau Hildegard auf silberner Platte einen soeben eingelaufenen Brief überreichte. Vor der Vertrauten gab sich die Fürstin nicht die Mühe, ihre Erregung zu verbergen; sie griff hastig nach dem Briefe und sprach: „Ich werde klingeln!“