„Mit den verdruckten Herren von der Bezirkshauptmannschaft will ich nichts zu tun haben, die Herren sind zu politisch! Von der Kanzel hat der Pfarrer gesprochen, durchaus Behauptungen, die dem Frauenbund nicht passen, also halt ich mich an den Pfarrer, der die heutige Predigt z’rücknehmen muß am nächsten Sonntag!“
„Zurücknehmen kann ich nichts, aber ich werde in der nächsten Predigt schildern, was für eine grundgescheite Fürsteherin der Haller Frauenbund hat...“
„Das ist grad nicht nötig! Ich weiß schon selbst, daß ich eine g’scheite Frau bin!“
„Schön! Da Sie soviel Intelligenz besitzen, werden Sie gewiß auch wissen, wie man die Tür von – außen zumacht!“
„Was? Ausschaffen! Mich, die Fürsteherin, wo im kleinen Finger mehr Gesetzeskenntnis hat als der ganze Herr Pfarrer! Das Ausschaffen werden S’ büßen, wahrlich nicht wenig!“ Wie beschwörend streckte das hagere Weib die dünnen Arme in die Höhe. „Sie wollen den Kampf, gut, wir werden um unser heiliges Recht kämpfen! Empfehl mich, Hochwürden!“ Schrill lachend, entrüstet verließ die Krämerin mit zappeligen Schritten das Zimmer.
Pater Wilfrid konnte der Komik dieses Auftrittes nicht widerstehen und schmunzelte. In das Treppenhaus tretend, wollte er eben hinunter zu Erna rufen, daß der nächste Besuch vorgelassen werden solle; das Gekeife der Krämerin veranlaßte ihn jedoch, mit dem Rufe zu warten.
Wütend zeterte die Krämerin zur Dienerin: „Außi g’schmissen hat er mich! Wo ich die Fürsteherin bin! Ich aber steh gut dafür: die längste Zeit ist er in Hall Pfarrer g’wesen! Außi muß er! Und dem Abt in Admont werd ich meine Meinung sagen, bis ihm die Augen tropfen und die Ohren stauben!“
Wilfrid lachte hellauf.
In höchster Wut warf die Krämerin die Haustüre so wuchtig ins Schloß, daß das Pfarrhaus erzitterte.