„Dasselbe ist der Fall bei meinem Terminus-Attentat. Die Bourgeoisie erkennt die Anarchisten als eine geeinte Körperschaft an. Ein einzelner Mann, Vaillant, warf eine Bombe. Neunzehntel der Genossen kannte Vaillant gar nicht. Das aber schadete nichts: die Anarchisten wurden in ihrer Gesamtheit verfolgt. Jeder, der nur entfernt zum Anarchismus Beziehungen hatte, unterlag der Verfolgung. Nun, da sie die gesamte Partei für die Tat eines einzelnen verantwortlich machen, vergelte ich gleiches mit gleichem.“
„Ihr habt in Chicago gehängt, in Deutschland geköpft, in Xeres erwürgt, in Barcelona erschossen, in Montbrison und Paris guillotiniert – was Ihr aber niemals werdet töten können, das ist die Anarchie. Ihre Wurzeln reichen zu tief. Sie ist erstanden aus einer verwesenden Gesellschaft, die sich in ihre Bestandteile auflöst. Sie erhebt sich als eine gewaltsame Gegenbewegung gegen die Ordnung dieser Gesellschaft, sie repräsentiert alle Sehnsucht nach Gleichheit und Befreiung, nach Zertrümmerung der gegenwärtigen Autorität. Sie ist überall; sie ist nirgends zu fassen; sie wird Euch alle töten. Hier, meine Herren Geschworenen, habe ich gesagt, was ich zu sagen hatte. Sie werden nun die Rede meines Verteidigers anhören.“
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Es kann nicht die Aufgabe dieser Abhandlung sein, Caserios Attentat auf Sadi-Carnot zu behandeln, obzwar es in organischem Zusammenhang mit den oben berichteten Taten steht.
Am 5. Februar war Vaillant hingerichtet worden, – am 24. Juni rächte Santo Caserio, ein italienischer Proletarier, diesen Tod. Der Präsident der Republik hatte in jenen Tagen in Lyon die Kolonialausstellung besucht. Nach dem Abendessen, auf der Fahrt zum Theater, inmitten pompöser Kavallerie, die den Prunkwagen eskortierte, traf Carnot der Dolch des Italieners. Caserios Motive und Persönlichkeit sind in dem Zusammenhang dieser Erörterungen von geringem Belang (so wie die Jahre später erfolgte Ermordung Elisabeths von Österreich z. B.). Man darf über seine Tat leicht hinweggehen, wie auch andere Taten von Anarchisten, die sich um dieselbe Zeit in Paris ereigneten, von geringer Bedeutung für die Idee und den zentralen Trieb der anarchistischen Empörung sind.
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Manche dieser Taten wiesen wohl darauf hin, daß sie die Ketten der Versklavung des Geistes an bestimmten Orten zu sprengen und durchzubrechen suchten: wie z. B. die Tat des Pauwels, eines Freundes von Henry, dessen Bombe ihn selber, als er die Madeleine-Kirche in Paris betrat, in Stücke riß.
Andere Attentate hatten einen ausgesprochen burlesken Beigeschmack wie das Attentat jenes Droschkenkutschers Moore, des „Dichterkutschers“, der seinen Kollegen in Apoll, Lockroy, den Schwiegersohn Victor Hugos, anschoß, weil dieser Moores Bettelbriefe schließlich nicht mehr beantwortete.
Auch das Attentat auf das Restaurant Foyot bot dem Pariser Witz reichliche Nahrung: wenige Tage, ehe er gelegentlich dieses Attentates ernstlich verletzt wurde, hatte der satyrische Dichter Laurent Tailhade in einem dithyrambischen Artikel die Tat Vaillants mit den Worten gepriesen: „Was will der Verlust einiger gleichgültiger Opfer besagen – wenn nur die Geste schön ist!“
Eine andere Tat aber prägte sich der öffentlichen Meinung tiefer ein, das war die Tat des Schusters Leauthier, der in einem der bekannten Speisehäuser von Duval den serbischen Gesandten Georgewitsch anschoß, als einen schlemmenden Bourgeois, der noch dazu ein Ordensband im Knopfloch trug! (Leauthier starb in der Strafkolonie während jener schon erwähnten Revolte, gleichzeitig mit Simon, dem Zwieback, Ravachols Gehilfen.)