Neben diesem Namen büßen jene anderen aus derselben Epoche: Vaillant, Henry, Caserio einen wesentlichen Teil ihrer Bedeutung ein, obzwar sie für die Epoche von äußerster Bedeutung geblieben sind, obzwar sie sich sogar mit den Idealen des aktiven Anarchismus (jedenfalls in dem Fall Vaillant und Henry) inniger berühren als dies bei Ravachol der Fall ist. Dieser aber galt und gilt als der Initiator, als der Erwecker jener Epoche, als Der, dessen Tat den revolutionären Instinkt, den immer gärenden latenten Instinkt zur Menschheitsbefreiung in dem französischen Volke für eine Zeit entfesselt und aufgerichtet hat.
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1891-94.
Die Zeit der Attentate von Ravachol, Vaillant, Henry, Caserio. Die Zeit des Prozesses der Dreißig.
Die Zeit des Panama-Skandals. Eine Epoche der politischen Korruption, der Hochkonjunktur des bürgerlichen rücksichtslosen Genußlebens, der stärksten Konzentration von Industrie- und Finanzkapital zur Ausbeutung der arbeitenden Massen.
Es war die Zeit vor der Reinigung der Atmosphäre durch die Aktion für den Kapitän Dreyfus, die Zeit der Präsidentschaft Sadi-Carnots, die das Regime des alten Grévy abgelöst hatte.
Jules Grévys Präsidentschaft, in deren Zeit die Beängstigung des republikanischen Frankreichs durch den General Boulanger fiel, versank im Sumpf des Wilson-Skandals. Kaum hatte die denkwürdige Schnäbele-Affäre an der elsässischen Grenze die Gefahr eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland für einen Augenblick aufleben lassen, da wurde das Interesse des Volkes durch eben jenen Skandal unter dem Namen Wilson auf den Zustand der bedrohten bürgerlichen Republik abgelenkt. Wilson, Schwiegersohn des Präsidenten Grévy, hatte für gutes Geld die Ehrenlegion an Leute verschachert, die alles, nur nicht die Ehre Frankreichs repräsentierten. Als nun diese übelriechenden Machenschaften aufgedeckt wurden, blieb Grévy, der von den Geschäften seines Schwiegersohnes keine Ahnung hatte, nichts übrig, als zu gehen. Er verließ seinen Posten ohne das Odium des geringsten persönlichen Makels.
Sadi-Carnot, sein Nachfolger aber übernahm ein so ziemlich außer Rand und Band geratenes bürgerliches Gemeinwesen. Carnots Regierungsantritt war durch die Notwendigkeit, mit des Generals Boulanger Agitation aufzuräumen, belastet. Die Republik war durch den doppelten, sozusagen konzentrischen Angriff von orleanistischer Seite wie vonseiten ihrer eigenen bürgerlichen Korruption in schwerste Bedrängnis geraten. Wilsons Tat deckte ja nur einen Zipfel von dem ungeheuren Schmutz auf, in dem die Republik Frankreich zu versacken drohte. Sadi-Carnots Regierungsära hatte außer der Aufglättung des Ehrenlegionsskandals mit üblen Affären ähnlicher Art zu schaffen, die hervorragende Mitglieder des Pariser Magistrates durch ihre Geschäfte mit dem Crédit Foncier, in Verbindung mit dem Comptoir d’Escompte, kompromittierten. Zur gleichen Zeit explodierte überdies, wie ein Kloakenrohr, die Affäre des Panamakanals über dem öffentlichen Leben Frankreichs, und der Unflat, der sich auf solche Weise über das politische Leben des Landes ergoß, blieb auf der ganzen Regierungsepoche von Sadi-Carnot haften, die man mit diesem Skandal identifizierte.
All diese Skandalaffären verbreiteten, wie erklärlich, große Erbitterung und Haß unter den arbeitenden Schichten der Bevölkerung, denen die Verrottung des Bürgertums, der sie ausbeutenden Klassen, der regierenden und der Finanz, offenbar geworden war.
Eine Reihe von Streiks bezeichnet die beginnende Unruhe der arbeitenden Schichten Frankreichs jener Zeit. In den Industriebezirken war diese Unruhe natürlich am stärksten wahrzunehmen, doch schlug sie ihre Wellen nach Paris, der Metropole, die ja von jeher das Zentrum jeder Manifestation des französischen Volkswillens war, die den Pulsschlag der französischen Energie in allen Phasen der Geschichte vernehmbar aufgedeckt hat.