„Die Freiheit des Wilden ist also zweifach, aber diese zweifache Freiheit weicht noch ab von der Bestimmung, die produktive Arbeit verlangt; es ist also die anziehende, produktive Arbeit nöthig. Diese unterstellt eine Einheitlichkeit der Verbindung, die persönliche Zustimmung jedes Betheiligten, ob Mann, Frau, Kind, die Verbindung aus Trieb für die Ausübung der Arbeit und die Aufrechterhaltung der begründeten Ordnung. Diese vollständig freie Wahl der Arbeit, bestimmt durch die Triebe, ist die Bestimmung des Menschen. Von der Masse der Zivilisirten mag ein Achtel mit ihrer Lage zufrieden sein, aber sieben Achtel sind unzufrieden. Die große Menge ist nur auf die körperliche Arbeit beschränkt, ihre Beschäftigung ist indirekte Sklaverei, eine Qual, von der sie sich zu befreien wünscht.“

„Die kleine zufriedene Minderheit besteht aus Müßigen, oder Solchen, die privilegirte Stellungen einnehmen, und doch hat kaum Einer, Monarch und Minister nicht ausgenommen, seine volle Freiheit erreicht. Kann man also behaupten, daß die soziale Freiheit besteht? Sie ist wie die Gleichheit und die Brüderlichkeit nur Chimäre. Die Brüderlichkeit sandte Einen nach dem Andern ihrer Koryphäen zur Guillotine, die Gleichheit dekorirte das Volk mit dem Titel Souverän, schaffte ihm aber weder Arbeit noch Brot; es verkauft sein Leben um 5 Sous pro Tag[12] und man schleift es, die Kette am Hals, zur Schlachtbank. So sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit nur Phantome.“

„Die Freiheit ist illusorisch, wenn sie nicht allgemein ist. Wo der freie Aufschwung der Triebe auf eine sehr kleine Minderheit beschränkt ist, da giebt es nur Unterdrückung. Um aber der Menge die Entfaltung und die Befriedigung der Triebe zu sichern, ist eine soziale Organisation nöthig, die drei Bedingungen erfüllt. Man muß 1. ein Regime der industriellen Attraktion suchen, entdecken und organisiren; 2. Jedem das Aequivalent der sieben natürlichen Rechte des Wilden garantiren;[13] 3. die Interessen des Volks mit denjenigen der Großen verbinden, denn das Volk wird auf sie eifersüchtig sein und sie hassen, so lange es nicht an ihrem Wohlsein gradweise Antheil hat. Nur unter diesen drei Bedingungen kann man dem Volk ein Minimum an Nahrungsmitteln, Bekleidung, Wohnung und hauptsächlich auch an Vergnügungen sichern, denn ohne das Angenehme würde dem Menschen auch der neue Zustand nicht genügen.“

„Prüfen wir also, wie die sozietäre Ordnung dem Individuum die freie Ausübung der erwähnten sieben Rechte, die mit dem Mechanismus der Barbarei und der Zivilisation so unverträglich sind, in entsprechender Form gewähren kann.“

„Schreiten wir zunächst dazu, sie wie ihre Angelpunkte (pivots) zu erklären.“

Fourier giebt nun nachfolgendes Tableau, begleitet von drei Analogien, um Diejenigen zu enttäuschen, die es als ein von ihm systematisch angewandtes Vorurtheil ansehen, daß er gewöhnlich den Zahlen 7 und 12 (also wie Pythagoras es that) den Vorzug gebe. Er will beweisen, daß diese Zahlenverhältnisse in der Natur der Dinge liegen, also gegebene sind, nicht willkürlich erfundene.

Rechte Triebe Farben geometrische Linien
1. Kardinale
oder
industrielle
Rechte
Sammelfreiheit Haupt-
Triebe
Freundschaft Violet Kreis
2. Weide Liebe Azur Elipse
3. Fischfang Familiensinn Gelb Parabel
4. Jagd Ehrgeiz Roth Hyperbel
1. Distributive
Rechte
Innere Verbindung Distributive
Triebe
Kabaliste Indigoblau Spirale
2. Sorglosigkeit Papillone Grün Muschellinie
3. Auswärtiger Raub Komposite Orangegelb Logarithmus
X. Minimum Einheitlichkeit Weiß
Freiheit Gunst Schwarz Nebenkreis

Die Freiheit kommt nur als Folge der sieben andern Rechte, sie ist das Resultat ihrer Verbindung, so wie Weiß oder Schwarz die Verbindung oder Aufsaugung der sieben Farbenstrahlen ist.

Fourier führt dann weiter aus, daß aber die Freiheit nur einfach oder falsch sei, wenn sie nicht von der Hauptsache, dem Prinzipalen aller Rechte, dem Minimum begleitet sei, was die Periode der Wildheit nicht biete. Auch genießen die Freiheit in der Wildheit nur die Männer, die Frauen sind ausgeschlossen und ist ihre Lage schlimmer, als in der Zivilisation. Es genügt weder die Freiheit, wie sie die Zivilisation bietet, noch genügen die sieben Naturrechte, die der Wilde besitzt, um einen befriedigenden Zustand herzustellen. Der neue sozietäre Zustand müsse also alle drei Geschlechter gleichmäßig berücksichtigen und ihren Trieben Befriedigung gewähren.

Die bezügliche Auffassung Fourier's von der Lage der Wilden und der Zivilisirten lassen wir, da sie charakteristisch ist, hier ausführlicher folgen.