Die Zeitvorstellung entsteht aus den Empfindungen des Nacheinander, in welchem sich alle Bewegung, sowohl die innere wie die äußere, vollzieht. Dasselbe Nacheinander, nicht als Kontinuum, sondern in einzelnen Wiederholungen empfunden, ergibt die Zahl. Zeit- und Zahlvorstellung spiegeln also die objektive Ordnung des inneren wie des äußeren Geschehens wider. Sie wirken ihrerseits ordnend auf alle Vorstellungen, die das Zeit- oder Zahlmoment enthalten. Ihre Eindimensionalität, die eine Verwirrung nicht zuläßt, gestaltet ihre ordnende Kraft besonders einfach und klar.

Die Vorstellung kausaler Beziehungen endlich ist, wie jetzt wohl allgemein angenommen wird, aus den Beziehungen der Innen- zur Außenwelt entstanden. Zwei sich immer wiederholende Vorgänge sind es, die sich uns unter dem Bilde von Ursache und Wirkung darstellen: die Wirkung der Außenwelt auf uns und unsere Wirkung auf die Außenwelt – der Anfang und das Ende der Reflexkette. Einen Schlag empfinden wir als Ursache des Schmerzes und die motorische Innervation unserer Armmuskeln als Ursache der Armbewegung. Diese Doppelvorgänge stehen in einer Beziehung zueinander, die durch das zeitliche Nacheinander augenscheinlich nicht erschöpft wird – bekanntlich wollte Hume sie daraus hervorgehen lassen –, in der vielmehr das Durcheinander-bewirkt-werden, das Auseinander-hervorgehen, der Kraftcharakter vorherrscht.

Die so aus uns geschöpfte Vorstellung der Kausalität wurde nun zunächst begrifflich untersucht. Sie wissen, daß sich die philosophische Debatte der letzten 200 Jahre großenteils um diesen Begriff gedreht hat. Schauen wir auf den heutigen Zustand, so können wir nur sagen: mit recht wenig Erfolg! Es gelang nicht einmal, den Begriff der Ursache von dem der Bedingung und dem der Veranlassung scharf abzugrenzen, noch sich über die Gleichartigkeit oder Ungleichartigkeit von Ursache und Wirkung einig zu werden. So definiert ein neuerer Psychologe (Höfler) Ursache als »die Summe der notwendigen Bedingungen eines Anfanges«. Ein anderer (Stumpf) erklärt »Ursache und Wirkung brauchen nicht gleichartig zu sein«. Und sogar Naturforscher von einem Range wie Verworn lassen sich durch die Philosophen mißtrauisch gegen den Begriff der Kausalität machen und geben die Lösung preis, die sie als Naturforscher im vorstellenden Denken in der Hand haben.

»Ein gesetzmäßiger Vorgang oder Zustand«, erklärt Verworn, »ist nie eindeutig bestimmt durch eine einzige Ursache, sondern immer nur durch eine Summe von Bedingungen, die sämtlich gleichwertig sind, weil sie eben notwendig sind. Kausale Gesetzmäßigkeit ist spekulative Mystik, konditionale Gesetzmäßigkeit ist Erfahrung! Alle Gesetzmäßigkeit hat konditionale Form: wenn es regnet, dann ist es naß.« Das wäre also Bankrotterklärung des Kausalbegriffs in bester Form!

Aber die konditionale Form ist nur eine Sprachform und weit entfernt davon, die Form der Erfahrung, der direkten Vorstellung zu sein! Diese ist doch so: wir sehen, daß beim Regen die getroffenen Gegenstände naß werden; wir sehen das häufig und bilden eine feste Verbindung der Vorstellungen Regen und naß. Oder in unserer physiologischen Deutung: zwischen den gleichzeitig erregten Bahnfiguren Regen und naß schleifen sich Verbindungsbahnen aus, die bei jeder folgenden Erregung vertieft werden, so daß schließlich die Erregung einer Figur mit Sicherheit die der anderen nach sich zieht. Es ist lediglich sprachliche Form, wenn wir sagen: wir schließen aus der häufigen Beobachtung, daß es immer, wenn es regnet, naß wird.

Das ist nebenher ein gutes Beispiel für unser Thema.

Klarheit aber und Festigkeit und messende Genauigkeit erwachsen dem Ursachebegriff aus der Außenwelt und nur aus ihr. Die Erkenntnis, daß alles Geschehen in einem Energiewechsel beruht, und daß dabei die verschwindende Energie der neu erscheinenden quantitativ gleich ist, hebt die eine Bedingung des Geschehens, die der Wirkung gleich ist, als »Ursache« heraus aus den übrigen Bedingungen, die zu bloßen Leitformen der besonderen Art der Energiewirkung herabsinken. So ist das sinkende Wassergewicht die einzige Ursache der von der Turbinenwelle geleisteten Arbeit, während die Leitformen des Gerinnes, der Turbine selbst usw. die allerdings auch notwendigen Bedingungen darstellen, die z. B. verhindern, daß die Energie des Wassergefälles sich in anderer Weise äußert, etwa in freiem Sturz sich in Wärmeenergie umsetzt.

Daraus, daß wir diese Bedingungen für die besondere Form des Energieumsatzes als notwendig bezeichnen, zu schließen, daß sie der Ursache gleichwertig sind, – auch das ist nichts als eine zu vertrauensvolle Anwendung einer Sprachform auf Wirklichkeitsvorstellungen.

Aus der Außenwelt also – im Zusammenwirken mit der physischen Innenwelt – beziehen die drei allein herrschenden Vorstellungen des Raumes, der Zeit und der Ursache ihre ordnende Kraft. Da die Außenwelt direkt nur mit unserm vorstellenden Denken in Verbindung steht, so wirken auch diese drei Ordnungsprinzipien direkt nur in diesem.

Gibt es aber vielleicht noch andere als diese drei Ordnungsmächte? Da alles energetische Geschehen aus ihnen restlos erklärbar ist, so brauchen wir zur Erklärung der Außenwelt weiter keine, kennen auch keine. Von außen her können uns also keine weiteren Quellen der Ordnung kommen.