Obwohl nun diese drei Vorstellungen sich ihrer physiologischen Natur nach nicht von anderen unterscheiden, werden wir doch berechtigt sein, sie sowohl wegen ihrer engen und erschöpfenden Beziehungen zur Außenwelt als wegen ihrer ordnenden Bedeutung in unserer Vorstellungswelt mit einem besonderen Namen zu bezeichnen. Wir werden dafür den für die ordnenden Verstandeskräfte üblichen Namen »Kategorien« wählen dürfen, ungeachtet sie wesentlich verschieden von den Kantschen Kategorien sind.
Denn sie sind nicht eigenartige, unerklärte Mächte des Verstandes wie jene, sondern normale Beziehungsvorstellungen.
Sie sind nicht a priori, sondern durch Erfahrung geworden.
Kant zählt zwölf Formen des Verstandes und dazu zwei der Sinnlichkeit (Raum und Zeit), entsprechend seiner scharfen Scheidung zwischen Sinnlichkeit und Verstand, wir kennen nur die genannten drei, die für Sinnlichkeit wie für Verstand – für uns nichts Verschiedenartiges – gelten.
Kant leitet seine Kategorien aus den Schlußformen her, also aus Formen des sprachlichen, abgeleiteten Denkens, ein besonders nach unserer Anschauung recht unglücklicher Gedanke; wir gewinnen die unsrigen aus den Beziehungen der Außenwelt, der Quelle alles seelischen Geschehens.
Welches sind nun aber die ordnenden Kräfte im begrifflichen Denken? Wenn die Kräfte der Außenwelt durch die Schicht des vorstellenden Denkens schon gleichsam absorbiert sind – gibt es nicht ähnlich wirkende innere Kräfte in der begrifflichen Schicht?
Wir können, von unserm physikalisch-chemischen Gesichtspunkt aus, keine entdecken!
Wie, wird man mich anfahren, kennen Sie nicht die alles Denken beherrschende Macht der Logik – in deren Namen schon Sprechen und Denken und Ordnung vereinigt ist?
In der Tat, jeder fügt sich dieser Großmacht. Sogar die Mathematiker, die sich fast ausschließlich in unseren Kategorien des Raumes und der Zeit bewegen, sind zum Teil bemüht, von Anschauungen möglichst abzusehen und ihre Axiome in ein rein logisches Gewand zu kleiden.
Die Logiker nun gar kennen ihres Machtgefühls keine Grenzen. »In der Ausbildung, Entwicklung und Verknüpfung«, sagt einer von ihnen, Drobisch, »der durch die Erfahrung gegebenen Elemente geht das logische Denken selbständig und ohne Seitenblicke auf die Erfahrung seinen eigenen Weg, gelangt zu komplizierteren und reichhaltigeren Formen und erweitert durch Anwendung dieser Formen auf die unmittelbaren Tatsachen der Wahrnehmung und des Bewußtseins die Erkenntnis ins Unbegrenzte.«