Der Fürst zuckte die Achseln.

„Ich kann darüber leider nichts sagen. Meine Erkundigung blieb ohne jedes Ergebnis. Weder von den englischen Gefangenen noch von den russischen Wachen konnte mir irgend jemand nähere Auskunft geben.“


[XVII.]

Im Foreign Office zu London versammelte sich der Ministerrat. Mit düsteren Mienen hatten sich die Lords eingefunden. Wie eine finstere Wolke lagerte die Ahnung einer Katastrophe über England, allerhand schlimme Gerüchte waren im Lande verbreitet, und mit dumpfer Beklemmung sah man den kommenden Ereignissen entgegen.

„Eine Depesche des kommandierenden Generals,“ sagte der Ministerpräsident, indem er das Papier in seiner Hand entfaltete. Und es wurde totenstill im Gemach:

‚Schmerzlich bewegt sende ich der Regierung Seiner Majestät die Nachricht von einer großen Niederlage, die ich vorgestern bei Lahore erlitten habe. Erst heute habe ich Delhi mit den Trümmern meiner Armee erreicht, die von der russischen Avantgarde verfolgt wurde. Wir hatten eine sehr günstige Aufstellung am linken Ufer des Ravi eingenommen und waren im Begriff, der russischen Armee den Uebergang über den Fluß zu verwehren, als ein überraschend starker Angriff auf unsern linken Flügel bei Schah Dara uns nötigte, diesen Flügel zu verstärken und dadurch das Zentrum zu schwächen. Gedeckt vom Dschungel am Flußufer, gelang es russischer Kavallerie und mohammedanischen Hilfstruppen der russischen Armee den Fluß zu überschreiten und unsere Sepoy-Regimenter in Unordnung zu bringen. Die Truppen des Maharadjah von Chanidigot gingen in verräterischer Weise zum Feinde über, und das war entscheidend. Wären nicht sämtliche Sepoy-Regimenter abgefallen, so hätte ich die Schlacht halten können, aber die englischen Regimenter unter meinem Befehl waren zu schwach, um der Uebermacht des Feindes lange Widerstand zu leisten. Die Tapferkeit dieser Regimenter verdient das höchste Lob, aber nach mehrstündigem Kampfe mußte ich den Befehl zum Rückzug geben. Wir zogen uns auf die Stadt Lahore zurück, und es gelang mir, einen Teil der Truppen mit der Eisenbahn nach Delhi zu bringen. Diese Stadt werde ich aufs äußerste verteidigen. Verstärkungen sind aus allen Militärstationen des Landes unterwegs. Wie groß unsere Verluste sind, kann ich noch nicht angeben. An intakten Truppen habe ich fünftausend Mann nach Delhi zurückbringen können.‘

Eisiges Schweigen lag auf dem Kreise der Lords nach Verlesung der Unglücksbotschaft. Dann nahm der Kriegsminister das Wort: