„Wie können Sie das sagen? Der Handel unserer Feinde ist vollständig lahmgelegt worden, und unsere Schiffe verkehren überall frei wie sonst.“

„Das mag sein, aber unter der Oberherrschaft zur See verstehe ich etwas anderes. Kein Seesieg ist bis jetzt erfochten worden. Die feindlichen Flotten sind noch intakt. So lange diese nicht vernichtet sind, liegt immer noch die Gefahr nahe, daß der Krieg eine für uns nachteilige Wendung nehmen kann. Erst der Kampf auf offener See entscheidet. Die englische Flotte sollte, wenn sie wirklich die herrschende ist, die feindlichen Schiffe zur entscheidenden Schlacht zwingen. Warum blockieren wir nicht die französische und die deutsche Flotte in den Häfen und zwingen sie, sich uns zu stellen? Unsere Geschütze tragen drei Meilen weit, wir können die Feinde im Hafen erreichen. Was soll diese Trennung in drei Teile? Die Flotte sollte im Kanal zu einem zerschmetternden Schlage vereinigt werden.“

„Der sehr ehrenwerte Herr vergißt, daß eine Vereinigung unserer Flotte auch die Vereinigung der feindlichen Flotte zur Folge haben würde. Verlassen wir unsere Stellung bei Kopenhagen, so kommt die starke russische Flotte von Kronstadt hervor und vereinigt sich mit den deutschen Kriegsschiffen in der Ostsee. Diese vereinigte Flotte könnte durch den Kaiser Wilhelm-Kanal in die Nordsee gelangen. England hat immer bei seinen Seerüstungen den two powers standard eingenommen, und obwohl wir den three powers standard angestrebt haben, sind die Mittel an Geld und Menschenmaterial doch nicht ausreichend gewesen, eine Seemacht aufzustellen, die den Flotten der drei jetzt vereinigten Mächte überlegen wäre. Gleichwohl hält unser altes Prestige alle drei Mächte in Schach, so daß sie nicht wagen, uns zur See anzugreifen. Setzen wir dies Prestige nicht dadurch aufs Spiel, daß wir ohne eine bestimmte Aussicht auf Erfolg eine Seeschlacht provozieren! Diese Seeschlacht wird kommen, aber der günstige Augenblick muß sorgfältig abgewartet werden. Beim jetzigen Stande des Krieges wäre es leichtsinnig, alles auf eine Karte zu setzen. Das tun wir aber, wenn wir eine Seeschlacht erzwingen wollen. Gelingt der Angriff nicht, erleidet unsere Flotte eine Niederlage, so ist England der Landung einer kontinentalen Armee ausgesetzt. Es ist wahr, daß unsere Flotte durch Teilung geschwächt wird, aber dasselbe gilt von den feindlichen Flotten, so daß dieser scheinbare Nachteil ausgeglichen wird. Wir müssen den Augenblick erspähen, wo eine Verschiebung der gegenwärtigen Lage uns erlaubt, eine der feindlichen Flotten mit überlegenen Kräften anzugreifen.“

„Es möchte wohl ein Mittel geben, die deutsche Flotte hervorzulocken,“ beharrte der Kolonialminister. „Laßt uns ein Panzergeschwader nach Helgoland schicken und den Felsen mit seinen Befestigungen zusammenschießen, daß er zerbröckelt ins Meer sinkt. Die Erwerbung Helgolands war eine Lieblingsidee Kaiser Wilhelms II., und dieser Monarch wird schon dafür sorgen, daß Helgoland nicht vom Erdboden verschwindet. Kommen aber die Deutschen trotz einer Beschießung Helgolands auch dann noch nicht heraus, so laßt das Geschwader in die Mündung der Elbe fahren und Hamburg in Brand schießen. Laßt auch die Panzer von Kopenhagen vorgehen und den Kieler Hafen, wie die Küstenstädte an der Ostsee zerstören. Dann würde sich die deutsche Flotte schon zeigen!“

„Dieser Plan ist erwogen worden und kommt vielleicht zur Ausführung. Es stehen ihm jedoch zwei Bedenken entgegen: erstens würden wir durch die Zerstörung offener Städte ein Odium auf uns laden, das ....“

„Pah! Für den Sieger gibt es kein Odium! England wäre niemals zu seiner jetzigen Größe und Macht gelangt, wenn es sich von praktischen Maßregeln durch allzu ängstliche Rücksichten auf Humanität und Völkerrecht hätte abschrecken lassen.“

„Nun, dann bleibt jedenfalls noch das andere Bedenken.“

„Und das wäre, Mylord?“

„Der Kampf von Schiffen, selbst wenn sie die stärksten Panzer tragen, gegen Landbefestigungen ist immer eine gefährliche Taktik, zumal, wenn die Küsten durch zahlreiche Minen und Torpedoboote verteidigt werden. Dazu kommt, daß Panzerschiffe eine sehr teure und in gewissem Sinne zerbrechliche Ware sind.“

„Eine zerbrechliche Ware?“