Er stellte sich nunmehr dem kommandierenden General vor, wurde von ihm mit Wort und Handschlag verpflichtet, und in aller Form dem nach Simla bestimmten Detachement als Rittmeister zugeteilt.

Am nächsten Morgen schon setzte sich die Truppe unter Führung des Fürsten Tschadschawadse in Bewegung.

Der Marsch führte über den östlich von Lahore gelegenen Teil des Schlachtfeldes, auf dem sich vornehmlich die Kämpfe zwischen den Sepoys und den verfolgenden russischen Reitern abgespielt hatten.

Der Anblick, den diese zerstampfte, blutgetränkte Ebene gewährte, war traurig erschütternd. Obwohl zahlreiche Inder und russische Soldaten unter der Leitung von Armee-Gendarmen mit dem Aufsuchen der Leichen beschäftigt waren, lagen doch noch überall die teilweise schrecklich entstellten Leiber der Gefallenen in denselben Stellungen, in denen sie von dem mehr oder weniger qualvollen Tode ereilt worden waren. Ein fast unerträglicher Verwesungsgeruch erfüllte die Luft und mischte sich mit dem beizenden, atemraubenden Qualm der Scheiterhaufen, auf denen man die Leichen verbrannte.

Das Gros der russischen Armee befand sich im Lager und in der Stadt. Nur die Avantgarde, von der Verfolgung der fliehenden Engländer zurückgekehrt, war südlich der Stadt vorgeschoben. Die von Peschawar abgegangenen Verstärkungen, die mit einiger Ungeduld erwartet wurden, waren noch nicht eingetroffen.

Heideck hörte, daß etwa viertausend englische Soldaten und mehr als hundert Offiziere tot oder verwundet seien, während sich dreitausend Mann und fünfundachtzig Offiziere gefangen in den Händen der Russen befanden. Die Verluste der Sepoy-Regimenter ließen sich vorläufig nicht einmal annähernd schätzen, da sich die Kämpfe über ein zu weites Gebiet hingezogen hatten.

Fürst Tschadschawadse, der jetzt bei aller Herzlichkeit gegen Heideck doch mehr die Haltung eines militärischen Vorgesetzten angenommen hatte, erzählte während des Rittes, daß die russische Armee den Weg durch die Westprovinzen nehmen, das Industal und die dem Indus zunächst liegenden Länderstrecken aber unberührt lassen würde.

„Wir werden auf Delhi marschieren,“ äußerte er, „und dann wahrscheinlich auf Cawnpore und Lucknow vorgehen.“

Das Detachement konnte die Eisenbahn, die über Amritsar und Ambala nach Simla führt, nicht benutzen, da sie zum großen Teil von den Engländern zerstört worden war. Die Schnelligkeit des Marsches war natürlich ganz von der Leistungsfähigkeit der Infanterie abhängig. Und so sehr Heideck die Frische und Ausdauer dieser abgehärteten Soldaten bewundern mußte, kam man doch für seine Wünsche viel zu langsam vorwärts.