Wie glücklich wäre er gewesen, wenn er mit seiner Schwadron im Geschwindmarsch auf dem Wege hätte vordringen dürfen, den die unglückliche Edith hatte einschlagen müssen!
Schon am zweiten Tage zeigten sich in der Ferne deutlich schön umrissene blaue und violette Gebirgszüge: — das dem Himalaja vorgelagerte Hügelland, dessen niedrige Sommertemperatur den Vizekönig und die hohen Beamten der indischen Regierung alljährlich bestimmte, sich aus dem unerträglich heißen und dunstigen Kalkutta in das kühle und gesunde Simla zu flüchten. Auch die Familien der im Pendschab und in den westlichen Provinzen wohnenden reichen englischen Kaufleute und Beamten pflegten während der heißen Jahreszeit hier ihren Aufenthalt zu nehmen.
Die Vegetation wurde immer reicher und üppiger. Man kam durch prächtige Dschungeln, die stellenweise ganz den Eindruck künstlich angelegter Parks hervorbrachten. Scharen von Affen tummelten sich in den Banianen und Palmen und machten die waghalsigsten Sätze von einer Luftwurzel zur anderen. Die Annäherung der Soldaten schien diesen munteren Geschöpfen sehr wenig Furcht einzuflößen; denn sie blieben oft unmittelbar über ihren Köpfen sitzen und betrachteten mit ebensoviel Neugier als augenfälligem Wohlgefallen das ungewohnte militärische Schauspiel. Buntgefiederte Papageien erfüllten die Luft mit ihrem durchdringenden Gekreisch, und hier und da wurde ein Rudel Antilopen sichtbar, die indessen stets in rascher Flucht davongingen, wobei ihre merkwürdige Art, mit allen vier Beinen zugleich vom Boden empor zu springen, den wunderlichsten und ergötzlichsten Anblick gewährte.
Am dritten Tage kreuzte ein farbenbunter Reiterzug den Weg des Detachements. Es waren augenscheinlich vornehme Inder in halb einheimischer, halb englischer Kleidung auf vortrefflichen Hengsten, wie sie aus der Kreuzung von arabischem und Guzerat-Blut hervorgehen. An ihrer Spitze ritt ein prachtvoll gekleideter, dunkelbärtiger Mann auf einem Schimmel von besonderer Schönheit.
Er hielt an, um einige Worte höflicher Begrüßung mit dem russischen Obersten auszutauschen. Als er sich dann mit seinen lanzenbewehrten Reitern wieder in Bewegung gesetzt hatte, um den Blicken der Nachschauenden gar bald im dichten Dschungel zu entschwinden, winkte der Fürst Heideck an seine Seite.
„Eine Neuigkeit für Sie, Herr Kamerad! — Der vornehme Inder, mit dem ich soeben sprach, war der Maharadjah von Sabathu, und er ist eben im Begriff, seinen auf einem Jagdausfluge begriffenen Gast und Freund, den Maharadjah von Chanidigot, zu suchen.“
„Den Maharadjah von Chanidigot?“ rief Heideck mit funkelnden Augen. „Der Elende wäre also wirklich in unserer unmittelbaren Nähe?“
„Das von den beiden Fürsten aufgeschlagene Jagdlager befindet sich in unserer Marschrichtung, und der Maharadjah hat mich eingeladen, mit meinen Leuten diese Nacht dort zu kampieren. Ich hätte in der Tat nicht übel Lust, diese freundliche Einladung anzunehmen.“
„Und haben Sie ihn nicht nach Mrs. Irwin gefragt, mein Fürst?“
Das Gesicht des Obersten hatte bei dieser Frage Heidecks einen befremdlich ernsten, beinahe abweisenden Ausdruck angenommen.