„Nein.“
„Aber es ist doch mehr als wahrscheinlich, daß sie sich ebenfalls in seinem Lager befindet.“
„Wohl möglich, obwohl einstweilen noch jeder Beweis dafür fehlt.“
„Sie werden Nachforschungen nach ihr anstellen, nicht wahr? Werden den Maharadjah zwingen, uns Aufklärung über ihren Verbleib zu geben?“
„Ich dürfte ihn höchstens in höflicher Form um eine Aufklärung ersuchen. Aber auch das kann ich Ihnen noch nicht mit Sicherheit versprechen.“
Heideck war auf das Aeußerste überrascht. Er konnte sich die Wandlung in dem Benehmen des Fürsten durchaus nicht erklären. Und er wäre geneigt gewesen, seine sonderbaren Antworten für einen, freilich nicht sehr zarten Scherz zu nehmen, wenn nicht der eisige, undurchdringliche Ausdruck seines Gesichts jede derartige Vermutung von vornherein ausgeschlossen hätte.
„Aber ich verstehe nicht, mein Fürst —“ sagte er betroffen. „Sie hatten doch noch vor wenig Tagen die Güte, mir Ihren tatkräftigen Beistand in dieser Angelegenheit zu versprechen.“
„Ich bin zu meinem Bedauern genötigt, die Zusage zurückzunehmen. Denn ich habe strikte Weisung von Seiner Exzellenz, alles zu vermeiden, was zu einer Reibung mit den eingeborenen Fürsten führen könnte. Daß man gerade auf die Person des Maharadjah von Chanidigot einen ganz besonderen Wert legt, war mir zur Zeit unserer Unterredung nicht bekannt. Er ist der Erste gewesen, der sich offen für Rußland erklärt hat und dessen Truppen zu uns übergingen. Der glückliche Ausgang der Schlacht bei Lahore ist vielleicht zum nicht geringen Teil ihm zu verdanken. Sie begreifen, Herr Rittmeister, daß es den übelsten Eindruck hervorrufen würde, wenn wir mit einem für uns so wichtigen Mann aus geringfügiger Ursache in Zwistigkeiten gerieten.“
„Aus geringfügiger Ursache?“ fragte Heideck ernst, und seine Augen funkelten hell auf vor Erregung.
„Nun ja, was Ihnen von so großer Bedeutung erscheint, ist doch von einem höheren politischen Standpunkte aus betrachtet sehr klein und unwichtig. Sie können unmöglich erwarten, daß die politischen Interessen eines Weltreiches den Interessen einer einzigen Dame geopfert werden, die noch dazu ihrer Nationalität nach zu unsern Gegnern gehört.“