„Sie sollte also hilflos der Bestialität dieses Wüstlings preisgegeben sein?“

Fürst Tschadschawadse zuckte die Achseln; aber er streifte zugleich den neben ihm reitenden Heideck mit einem sonderbaren Seitenblick, der ungefähr zu sagen schien:

‚Wie schwerfällig bist du doch, mein Lieber! Und wie langsam von Begriffen!‘

Der andere aber verstand diese stumme Augensprache nicht. Und nach einem kleinen Schweigen konnte er sich nicht enthalten, im Tone schmerzlichen Vorwurfs zu äußern:

„Weshalb, mein Fürst, erwirkten Sie mir so großmütig die Teilnahme an dieser Expedition, wenn ich doch zugleich zur Untätigkeit gezwungen werden sollte, in einer Sache, die mir, wie Sie wußten, augenblicklich mehr als alles andere am Herzen liegt!“

„Ich erinnere mich nicht, Ihnen einen solchen Zwang auferlegt zu haben, Herr Rittmeister! Es war lediglich meine Stellungnahme zu der Sache, die ich Ihnen klar zu machen wünschte. Und ich hoffe, Sie haben mich vollkommen verstanden. Ich will und darf mit der Angelegenheit der Mrs. Irwin offiziell nichts zu schaffen haben, und ich wünsche, nichts davon zu hören. Daß ich mich andererseits nicht in Ihre Privatverhältnisse einmischen und mich nicht darum kümmern werde, ist selbstverständlich. Es genügt mir vollständig, wenn Sie mich nicht in irgend welche Verlegenheit und Zwangslage bringen.“

Das war ja allerdings viel weniger, als Heideck nach den feurigen Versprechungen seines Freundes erhofft hatte. Aber er mußte sich bei ruhiger Ueberlegung sagen, daß der Fürst in der Tat kaum anders handeln durfte und daß er bis an die äußerste Grenze des Möglichen ging, wenn er ihm nicht geradezu verbot, irgend etwas zu Gunsten der unglücklichen Edith zu unternehmen. Heidecks Entschluß, das Aeußerste für die Befreiung des geliebten Weibes zu wagen, wurde dadurch ja keinen Augenblick erschüttert; aber er wußte nun, daß er mit äußerster Vorsicht zu Werke gehen müßte und daß er auf niemandes Beistand zu rechnen habe — eine Erkenntnis, die nicht gerade geeignet war, ihn mit freudigen Hoffnungen zu erfüllen.

Nach kurzem Marsche erreichte das Detachement den unmittelbar am Fuße der ersten Hügel gelegenen weiten, von mächtigen Bäumen beschatteten Platz, auf dem der Maharadjah sein improvisiertes Jagdlager aufgeschlagen hatte. Eine große Anzahl von Zelten war unter den Bäumen aufgerichtet worden. Ein buntes Menschengewimmel bewegte sich zwischen ihnen.