Er hatte wohl Ursache, erstaunt zu sein; denn er hatte den schönen, blonden Pagen, dem er zu allermeist für die Rettung seines Lebens verpflichtet war, seit jener Begegnung auf dem Wege zur Richtstätte nicht mehr wiedergesehen.
Als er am Abend des für ihn so schicksalsreichen Tages den Fürsten Tschadschawadse nach Georgij gefragt hatte, war ihm nur eine kurze, ausweichende Antwort zu Teil geworden, und die Stirn des Fürsten hatte sich so finster bewölkt, daß er wohl erkannte, es müsse sich etwas Besonderes zwischen den beiden ereignet haben, so daß es ihm zweckmäßiger erschienen war, den Namen der Cirkassierin nicht wieder zu erwähnen.
Vergebens hatte er sich dann bei dem Aufbruch des Detachements nach dem von seinem ‚Gebieter‘ sonst unzertrennlichen Pagen umgesehen, und nur die seinem Herzen so viel näher liegende Sorge um Edith mochte Schuld daran sein, daß er sich nicht allzu viele Gedanken über das rätselhafte Verschwinden des verkleideten Mädchens gemacht hatte.
Sie hier, in so weiter Entfernung von der russischen Hauptarmee, und in weiblicher Kleidung wiederzufinden, hatte er sicherlich am allerwenigsten vermutet. Aber die Cirkassierin schien nicht geneigt, ihm umständliche Aufklärungen zu geben.
„Ich habe dich gebeten, zu mir herauszukommen, Herr,“ sagte sie, „weil ich nicht wollte, daß der Fürst mich erblickt. Ich bin deinem indischen Diener begegnet. Und er hat mir von der englischen Dame erzählt, die der Maharadjah von Chanidigot dir geraubt hat.“
„Nicht mir hat er sie geraubt, Georgij, denn ich habe keine Rechte auf sie. Sie hat sich nur unter meinen Schutz gestellt, und deshalb ist es meine Pflicht, zu ihrer Befreiung alles zu tun, was ich vermag.“
Das Mädchen sah ihn an, und es war wie ein Funkeln verhaltener Leidenschaft in ihren schönen Augen.
„Warum sprichst du nicht die Wahrheit, Herr? Sage doch, daß du sie liebst! Sage mir, daß du sie liebst, und ich will sie dir zurückbringen — noch an diesem Abend!“