„Du, Georgij? Wie, in aller Welt, wolltest du das anfangen? Weißt du denn, wo die Dame sich befindet?“
„Ich weiß es von deinem Diener Morar Gopal, Herr! Sie ist dort, in jenem Zelte des Maharadjah von Chanidigot, vor dessen Tür die beiden Inder Wache halten. Hüte dich wohl, dort Einlaß zu begehren; denn die Wächter werden dich eher in Stücke hauen, als daß sie dich auch nur einen Schritt in das Zelt tun ließen.“
„Es mag wohl sein, daß du recht hast,“ sagte Heideck, dessen Brust die endlich erlangte Gewißheit von der Nähe der angebeteten Frau mit einem beseligenden Glücksgefühl erfüllte. „Wie aber wolltest du zu ihr gelangen?“
„Ich bin ein Weib, und ich weiß, wie man diese armseligen, indischen Tröpfe behandeln muß; der Maharadjah von Chanidigot ist krank, und er mag in seinen Schmerzen wohl an alles andere eher denken, als an die Freuden der Liebe. Diese Gunst des Zufalls mußt du benutzen, Herr! Und noch in dieser Nacht muß geschehen, was überhaupt geschehen soll.“
„Gewiß! Jede verlorene Minute bedeutet ja vielleicht eine furchtbare Gefahr für Mrs. Irwin. Aber wenn du einen Plan hast, sie zu retten, so sage mir — —“
Die Cirkassierin schüttelte den Kopf.
„Weshalb von Dingen sprechen, die erst noch getan werden sollen? Kehre zurück zu deinem Feste, Herr, damit niemand einen Argwohn gegen dich hegt. Um Mitternacht wirst du die englische Dame in deinem Zelte finden. Oder du wirst auch mich niemals wiedersehen.“
Sie wandte sich zum Gehen; aber nachdem sie wenige Schritte getan hatte, kehrte sie sich noch einmal nach ihm zurück.
„Du wirst dem Fürsten nicht sagen, daß ich hier bin, hörst du? — Noch ist es nicht an der Zeit, daß er es erfährt.“