Er küßte die weichen Lippen, die so beseligende Worte zu sprechen wußten und sagte bewegt:
„Nun wohl, so schlage ich vor, daß wir zusammen nach Carachi reisen. Ich bin entschlossen den russischen Dienst zu verlassen und die Rückkehr nach Deutschland zu versuchen. Du aber, mein Lieb, würdest du es über dich gewinnen können, mir in mein Vaterland, das Land deiner jetzigen Feinde, zu folgen?“
„Meine Heimat ist bei dir. Sage, daß wir hier in Simla ein Heim gründen wollen, und ich bin mit Freuden bereit, bis an das Ende meiner Tage hier zu leben. Führe mich nach Deutschland oder nach Sibirien, und ich folge dir — mir gilt alles gleich, wenn ich nur dich nicht verlassen muß.“
Daß sie so gar kein Wort der Anhänglichkeit an ihr Vaterland hatte, mochte Heideck für einen Moment peinlich berühren; aber er hatte ja bereits gelernt, sie mit anderem Maße zu messen als die Frauen, denen er bisher auf seinem Lebenswege begegnet war; und ihm am wenigsten kam es zu, ihr aus diesem Mangel an Patriotismus einen Vorwurf zu machen.
„Mr. Kennedy hat sich mir gegenüber bereit erklärt, dich auf der Reise unter seinen Schutz zu nehmen,“ sagte er. „So werde ich denn noch heute mit dem Fürsten sprechen. Und da er kein Recht hat mich zu halten, wird es mir, wie ich zuversichtlich hoffe, möglich sein, zugleich mit euch nach Carachi aufzubrechen.“
„Ich aber werde nur in deiner Begleitung das Anerbieten der Kennedys annehmen,“ erklärte Edith mit einer Bestimmtheit, die keinen Zweifel darüber zuließ, wie unerschütterlich ihre Entschlüsse seien.
Aber Fürst Tschadschawadse bereitete ihm in der Tat keine Schwierigkeiten.
„Ich bedaure aufrichtig, Sie schon so bald wieder zu verlieren,“ erklärte er, „aber die Entscheidung darüber, ob Sie bleiben oder gehen wollen, liegt einzig bei Ihnen, denn es war ja von vornherein ausgemacht, daß Sie den russischen Dienst quittieren könnten, sobald es die Umstände für Sie wünschenswert machten. — Die Frauen sind ja nun einmal die Schicksale unseres Lebens.“