Der Fürst wußte natürlich längst, daß es Edith Irwin war, die sich im Hause der Kennedys befand, aber es geschah zum ersten Mal, daß er der Herzensangelegenheit seines deutschen Freundes Erwähnung tat.
Und hastig, als müsse er sich gegen einen beschämenden Vorwurf verteidigen, erwiderte Heideck:
„Sie mißverstehen meine Beweggründe! Vor allem ist es meine soldatische Pflicht, die mich ruft. Bis jetzt gab es keine Aussicht für mich, Passage auf einem englischen Dampfer zu erhalten. In der Begleitung des Mr. Kennedy aber und auf seine Empfehlung hin wird man mir, wie ich hoffen darf, die Ueberfahrt nicht verweigern.“
„Verzeihung! Ich zweifelte selbstverständlich keinen Augenblick an Ihrem patriotischen Pflichtgefühl, und ich wünsche Ihnen von Herzen eine glückliche Heimreise. Natürlich ist es trotz aller Bundesgenossenschaft unserer Nationen für Sie nicht dasselbe, ob Sie in den Reihen der russischen oder des deutschen Heeres fechten. Und wenn die Aussicht, in so angenehmer Gesellschaft zu reisen, den letzten Ausschlag für Ihre Entschließungen gegeben hat, so hätten Sie sich dessen, wie ich meine, durchaus nicht zu schämen. — Ich für meine Person bin allerdings zu der Erkenntnis gekommen, daß ein Soldat besser tut, dem weiblichen Element eine möglichst untergeordnete Rolle in seinem Leben anzuweisen. Er müßte es denn so machen, wie die meisten meiner Landsleute und sich eine ‚handliche‘ Frau zulegen, d. h. eine, die es verträgt, mit oder ohne Anlaß geprügelt zu werden. Es mag sein, daß ich es gerade in diesem einen Punkte versehen hatte. Und ich bin denn auch recht empfindlich dafür gestraft worden.“
Sein Gesicht war plötzlich sehr ernst geworden, und da seine Anspielung sich nur auf den verschwundenen Pagen beziehen konnte, glaubte Heideck endlich eine Frage nach dem Verbleib der Cirkassierin wagen zu dürfen.
Aber der Fürst schüttelte abwehrend den Kopf.
„Fragen Sie mich nicht nach ihr! Das ist eine ärgerliche Geschichte, an die ich nicht gern erinnert werde, weil sie mir eine der häßlichsten Stunden meines Lebens ins Gedächtnis zurückruft. Schlimm genug, daß wir armen, ohnmächtigen Kreaturen mit aller Reue nicht wieder gutmachen können, was wir einmal in einem Augenblick gefehlt.“
Und dann, als wolle er damit kurzerhand alle weiteren, unbequemen Erörterungen abschneiden, kehrte er zu dem Ausgangspunkt ihrer Unterhaltung zurück:
„Von meinem Standpunkt aus muß ich es ja rein praktischer Gründe wegen für einen Fehler halten, daß Sie Ihre unter den günstigsten Auspizien begonnene Laufbahn in der russischen Armee schon so bald wieder verlassen. Tüchtige Männer Ihres Schlages können bei uns eine glänzende Karriere machen, denn in unserm Heere ist mehr Ellbogenraum als bei Ihnen. Aber ich weiß wohl, daß es überflüssig ist, weiter darüber zu reden. Nur eins noch! — Sie brauchen die Uniform, der Sie alle Ehre gemacht haben, nicht gleich hier in Simla auszuziehen. Ich trete morgen den Rückmarsch nach Lahore an, und ich bitte Sie, während desselben noch an der Spitze Ihrer Schwadron zu bleiben. Ihre englischen Freunde reisen am sichersten mit unserer Kolonne. In Lahore können Sie dann ja machen, was Sie wollen. Da der Feldzug sich nach Südosten wendet, ist der Westen frei, und Sie können möglicherweise die Reise nach Carachi zum großen Teil bereits wieder auf der Eisenbahn zurücklegen.“