„O, wer weiß! Du bist ehrgeizig, und wir armen Frauen sind niemals übler daran, als mit ehrgeizigen Männern.“

„Aber es ist wahrscheinlich überflüssig, daß wir uns jetzt mit der Erörterung solcher Möglichkeiten quälen. Ich habe bis jetzt noch nicht einen Augenblick an den Eintritt einer Aenderung in unseren Reisedispositionen geglaubt.“

„Das heißt, du zweifelst an der Zuverlässigkeit der Siegesnachricht?“

„Ehrlich gesprochen: ja. Ich habe den alten Herrn nicht kränken und ihm die kurze Freude nicht verderben wollen. Darum habe ich ihm gegenüber meinem Mißtrauen nicht Ausdruck gegeben. Aber die Depesche macht in Wahrheit einen sehr wenig glaubwürdigen Eindruck. Enthält sie doch nicht einmal eine genauere Angabe des Ortes, wo die Schlacht stattgefunden haben soll. Sie muß einem unbefangenen Beurteiler zum mindesten sehr verdächtig vorkommen.“

„Und wer sollte sich das traurige Vergnügen bereitet haben, die Welt für eine kurze Zeitspanne auf solche Art zu täuschen?“

„O, es gibt viele, die ein Interesse daran haben würden. Während jedes Krieges flattern hier und da solche falschen Nachrichten auf, ohne daß sich in den meisten Fällen feststellen läßt, woher sie kamen. Vielleicht ist es ein Börsenmanöver.“

„Du hältst es also für ganz unmöglich, daß wir die Russen besiegen können?“

„Nicht gerade für unmöglich, aber doch für sehr unwahrscheinlich. Wenigstens bei der augenblicklichen Kriegslage. Und dann ist es das Ausbleiben aller genaueren Nachrichten, das mich stutzig macht. Ein siegreicher Feldherr findet immer Zeit zur Mitteilung von Einzelheiten, mit denen der Besiegte gern auf sich warten läßt. Ich bin überzeugt, daß der hinkende Bote sehr bald nachkommen und hinsichtlich unserer Reisepläne alles beim Alten bleiben wird.“

Edith schwieg. Ihr Vertrauen zu Heideck war so unbegrenzt, daß seine Worte sie vollständig überzeugt hatten. Aber sie hatten ihr die freudig zuversichtliche Stimmung der letzten Tage dennoch nicht wiederzugeben vermocht.

„Es wird alles beim Alten bleiben?“ sagte sie endlich. „Das heißt, du wirst uns in Brindisi verlassen?“