„Allerdings. Es gibt ja für mich keinen anderen Weg, um zur Armee zu gelangen.“

„Und wenn du nun überhaupt darauf verzichtest, zur Armee zurückzukehren? Hast du denn noch gar nicht daran gedacht, daß wir unser künftiges Glück recht wohl auf einer anderen Grundlage aufbauen könnten?“

Verwundert sah Heideck sie an.

„Nein, liebste Edith, daran habe ich in der Tat noch nicht gedacht, denn es wäre ein sehr überflüssiger und törichter Gedanke gewesen, solange mir durch Pflicht und Ehre auf das Bestimmteste vorgeschrieben ist, was ich zu tun habe.“

„Pflicht und Ehre! Natürlich, ich konnte mir wohl denken, daß du sogleich wieder mit großen Worten bei der Hand sein würdest. Es ist so bequem, sich hinter einen solchen unangreifbaren Schutzwall zurückziehen zu dürfen, wenn damit zugleich den eigenen Wünschen Genüge geschieht!“

„Edith! Wie ungerecht haben dich doch die traurigen Erlebnisse der jüngsten Vergangenheit gemacht! Bei ruhiger Ueberlegung wirst du selbst einsehen, daß meine persönlichen Wünsche und die Sehnsucht meines Herzens hier gar nicht in Frage kommen. Und ich verstehe nicht einmal, was ich deiner Meinung nach denn eigentlich tun sollte.“

„O, es gäbe mehr als eine Möglichkeit, die uns den Schmerz einer Trennung ersparen würde. Aber ich will dir nur die nächstliegende nennen. Könnten wir nicht sehr wohl zusammen in Indien bleiben? Wenn es die Vermögensfrage ist, die dir Bedenken verursacht, so kann ich dich darüber leicht beruhigen. Ich habe Geld genug für uns beide, und was mir gehört, das ist auch dein. Wenn wir uns hier in eine Gegend zurückziehen, in die der Krieg nicht kommen kann — in eine Hill-Station, nach Poona oder Mahabaleshwar, so wird niemand dich mit Fragen behelligen oder gar daran denken, dich zu verfolgen. Und es wird Gott wohlgefälliger sein, wenn du dort ganz deiner Liebe lebst, als wenn du deine Brüder tötest.“

Trotz der Ernsthaftigkeit, mit der sie sprach, konnte Heideck sich nicht enthalten, ihr lächelnd zu entgegnen:

„Wie wunderlich sich doch zuweilen in so einem hübschen Frauenköpfchen die Welt und die Verhältnisse malen. Es ist wahrhaftig ein Glück, daß wir nüchterne Männer unsern Verstand nicht ganz so leicht mit dem Herzen durchgehen lassen. Wir würden sonst schlimm genug daran sein, denn ihr selbst wäret sicherlich die ersten, die sich mit Geringschätzung von uns abwenden würden, sobald wir uns das Glück eurer Liebe um jeden Preis, selbst um den eurer und der eigenen Achtung, erkaufen wollten.“

Edith Irwin gab es auf, ihm zu widersprechen. Mit schwermütiger Miene blickte sie lange schweigend in die mondhelle indische Nacht hinaus. Und dann, als Heideck auf sie zutrat, um sich mit einem zärtlichen Wort zu verabschieden, sagte sie in einem Ton, der ihm ganz seltsam zu Herzen ging: