„Und ich werde doch mit dir gehen.“
Heideck sah sie verwundert an. „Aber begreifst du denn nicht, mein Lieb, daß es etwas ganz Neues sein würde und Aufsehen erregen müßte, wenn ein deutscher Offizier mit seiner Braut ins Feld zöge?“
„Ich fürchte das Urteil der Menschen nicht. Ich kümmere mich ja auch nicht darum, was die Kennedys sagen werden, wenn ich in Brindisi das Schiff verlasse und mit dir gehe. Es wird ja ein schlimmer Sturz für mich werden; denn die Kennedys würden mich von Stund an als eine Verlorene ansehen. Aber ich mache mir nichts daraus. Ich bin längst von der Torheit geheilt, daß man sein Glück opfern müsse, nur dem Gerede der Welt zuliebe.“
Er nahm natürlich ihre Absicht, ihn ins Feld zu begleiten, trotzdem nicht ernst und benutzte die Gelegenheit, ihr einen Vorschlag zu machen, den er bei sich selber schon reiflich erwogen hatte.
„Ich würde es für das Beste halten, liebe Edith, wenn du zu meinem Onkel nach Hamburg gingest und dort das Ende des Krieges abwartest. Dann — sofern mir der Himmel das Leben gelassen, — steht unserer Vereinigung nichts mehr entgegen.“
Sie antwortete nicht, und Heideck, der ihr Zeit lassen wollte, mit sich zu Rate zu gehen, beeilte sich, das Gespräch von diesem Thema abzulenken.
„Sieh, wie schön das ist!“ sagte er, auf das Wasser deutend.
Eine lange Reihe weiß aufschäumender Wellen zog sich jetzt zu beiden Seiten des Schiffes hin, so daß es aussah, als durchschnitte der Kiel eine Menge kleiner Klippen, über die das Meer hinwegbrandete. Aber bei näherer Beobachtung ließ sich erkennen, daß es keine Klippen waren, sondern unzählige große Fische, die wie in langer Schlachtreihe einherzogen und das Schiff begleiteten. In großen Sprüngen schnellten sie aus dem Wasser empor, so daß man die hellen Leiber in der Luft glitzern sah.
„Ich möchte wohl einer von diesen Delphinen sein,“ sagte Edith. „Sieh, wie frei und lustig ihr Dasein ist.“
„Du glaubst ja an die Seelenwanderung,“ scherzte Heideck, „vielleicht bist du einmal ein solcher Delphin gewesen.“