„Wir sprechen von dem Verluste Indiens,“ sagte er, „aber wer weiß, ob nicht England selbst eine Invasion im Mutterlande zu befürchten hat!“

„Unmöglich!“ entgegneten alle anwesenden Herren, „niemals werden Englands Kriegsschiffe sich aus dem Kanal verdrängen lassen.“

„So hoffe auch ich, aber ich weiß nicht, ob die Herren sich noch erinnern, wie nahe einst die Gefahr war, daß eine napoleonische Armee Englands Boden betrat.“

„Und wenn sie erschienen wäre, so wäre sie von Britenfäusten zerschmettert worden!“ rief Mr. Kennedy.

„Vielleicht! Aber warum haben wir niemals zugegeben, daß ein Tunnel unter dem Kanal von Calais nach Dover gebaut würde? Alle militärischen Autoritäten, namentlich Wolseley, haben es unter keiner Bedingung erlauben wollen, daß dem Verkehr und dem Handel dieser bequeme Weg eröffnet werde. Sie haben es immer für notwendig erklärt, daß England eine Insel bliebe, die nur übers Meer zu erreichen wäre. Ganz gewiß ist dies die erste und wichtigste Bedingung für Englands Macht.“

„Nun also,“ sagte Mr. Kennedy. „Da England doch eine Insel ist und wir stets den Grundsatz aufrecht erhalten haben, unsere Flotte der Seemacht zweier Seemächte, und zwar der stärksten, überlegen zu erhalten — wo wäre da eine Gefahr?“

„Eine Gefahr? Eine Gefahr besteht immer, wenn man Feinde hat,“ erwiderte der General. „Und ich behaupte: es hing zu Anfang des 19. Jahrhunderts an einem Haar, daß Napoleon herüberkam, und ich glaube nicht, daß wir diesem großen Gegner gewachsen gewesen wären, wenn er einmal festen Fuß an unserer Küste gefaßt hätte.“

„Sein Plan war phantastisch und darum unausführbar,“ sagte Mr. Kennedy.

„Sein Plan scheiterte nur daran, daß er zu kompliziert war. Hätte Napoleon aber telegraphische Verbindungen zur Verfügung gehabt, wie sie heute bestehen, so wäre sein Plan nicht zu kompliziert gewesen. Mit den Kabeln von heutzutage hätte er seine Flotten dirigieren können. Wäre der Admiral Villeneuve nicht nach Kadix, sondern, wie ihm befohlen war, nach Brest gesegelt, um sich dort mit Admiral Ganteaume zu vereinigen, so hätte er, an der Spitze von sechsundfünfzig Linienschiffen, den Uebergang Napoleons von Boulogne nach der englischen Küste decken können. Nein, meine Herren, denken Sie sich die strategische Lage Englands nicht als unangreifbar. Ich vertraue so fest wie Sie auf die Ueberlegenheit unserer Seestreitkräfte, aber zur Zeit des Dampfes und der Elektrizität ist England nicht mehr so sicher, wie damals, als die Bewegung der Schiffe vom Winde abhängig war und die Befehle durch reitende Boten und Signale übermittelt werden mußten.“

„So glauben Sie wirklich, daß Napoleons Plan ausführbar gewesen wäre, General?“