Die See war nur schwach bewegt. Das Leuchten und Flimmern von Himmel und Meer hatte aufgehört, seitdem die ‚Caledonia‘ aus dem Suezkanal herausgekommen war und sich im Mittelländischen Meer befand. Die den europäischen Breiten eigentümliche graue Färbung war an seine Stelle getreten, und streifige Wolken zogen am mattblauen Himmel hin. Die Bewegung der Schiffe ließ sich in dieser Beleuchtung genau verfolgen.

Die englischen Fahrzeuge näherten sich rasch. Und als die Entfernung zwischen dem ‚Royal Arthur‘ und dem französischen Torpedojäger etwa noch zwei und eine halbe Seemeile betrug, begann er aus seinen Buggeschützen auf das wenig über die Oberfläche des Wassers emporragende Fahrzeug zu feuern. Eines der schweren Geschosse sauste so nahe an der ‚Caledonia‘ vorüber, die sich jetzt mitten zwischen den beiden Schiffen befand, daß die Passagiere deutlich den heulenden Ton der die Luft durchschneidenden Granate hören konnten.

Der Franzose erwiderte das Feuer nicht. Er mäßigte seine Geschwindigkeit, um das Herankommen des ‚Chanzy‘ zu erwarten. Von Norden her aber kam inzwischen der ‚Forbin‘ heran und eröffnete aus seinen Buggeschützen das Feuer auf das britische Kanonenboot. Kurze Zeit darauf fiel auch aus den Geschützen des ‚Chanzy‘ der erste Schuß, und jetzt war die Stellung der Schiffe derart, daß das Kanonenboot mit der Breitseite dem ‚Forbin‘ gegenüberlag, die beiden Kreuzer mit den Buggeschützen aufeinander feuerten und der Torpedojäger sich im Hintergrund zurückhielt. Die ‚Caledonia‘ aber war inzwischen so weit vorgerückt, daß sie sich vollständig im Schutze der britischen Kanonen befand.

Hätte der Kapitän jetzt seine Fahrt fortgesetzt, so wäre er wahrscheinlich ungefährdet nach Alexandria gelangt. Aber er wünschte eine so bedeutende Verzögerung seiner Reise zu vermeiden, und die drängenden Bitten der Reisenden, die ihn aufgeregt bestürmten, in der Nähe des Kampfplatzes zu bleiben, kamen seinen Wünschen entgegen.

Die ‚Caledonia‘ mäßigte deshalb ihre Fahrt und hielt sich südöstlich des Gefechtsfeldes, so daß sie ebensowohl nach Brindisi wie nach Alexandria steuern konnte, sobald eine Entscheidung gefallen war.

Eine Weile stand der Kampf gleich. Sowohl der ‚Chanzy‘ wie der ‚Royal Arthur‘ hatten gewendet, kehrten einander jetzt die Breitseiten zu und feuerten, ohne daß jedoch von der ‚Caledonia‘ aus die Wirkung der Geschosse beobachtet werden konnte.

Plötzlich setzte sich der ‚Royal Arthur‘ nordwärts in Bewegung und schoß aus den Heckgeschützen auf seine Gegner.

„Es scheint fast, als wolle er dem ‚O’Hara‘ zu Hilfe kommen,“ sagte Heideck zu der mit dem Feldstecher neben ihm stehenden Edith. „Das Kanonenboot ist dem ‚Forbin‘ offenbar nicht gewachsen, und es hat möglicherweise einen verhängnisvollen Treffer erhalten.“

In der Tat blieb der ‚Royal Arthur‘ in der begonnenen Bewegung nach Norden und steuerte unter beständigem Feuern gegen den ‚Chanzy‘ und den noch immer im Hintergrunde lauernden Torpedojäger dem ‚Forbin‘ zu, auf den er alsbald mit seinen Buggeschützen Feuer zu geben begann.

So entfernte sich das Gefecht immer mehr nordwärts, und der Kapitän der ‚Caledonia‘ beschloß, seinen Kurs wieder westlich zu nehmen. Malta anzulaufen, erschien nicht ratsam, dagegen durfte man in der Annahme, daß der ‚Royal Arthur‘ die französischen Schiffe noch eine geraume Weile festhalten würde, wohl hoffen, Brindisi, das ursprüngliche Reiseziel, zu erreichen.