Für die Sicherung der Prise, die man mit der Wegnahme der ‚Caledonia‘ gemacht hatte, wurden ungewöhnliche Maßregeln getroffen. Der Kapitän, der erste und zweite Offizier wurden an Bord des ‚Chanzy‘ gebracht. Dafür übernahm der erste Offizier des ‚Chanzy‘ den Befehl über das Schiff, und zwei Leutnants mit fünfzig Mann wurden zur ‚Caledonia‘ hinübergerudert. Diese Vorkehrungen erklärten sich zur Genüge aus dem hohen Wert der Ladung, die der Passagierdampfer an Bord hatte. Er führte nach Ausweis der Schiffspapiere nicht weniger als zwanzig Millionen Rupien, teils gemünzt, teils in Silberbarren, die von Kalkutta hätten nach England geschafft werden sollen. Eine so kostbare Ladung sicher nach Toulon zu bringen, mußte dem französischen Kommandanten natürlich sehr am Herzen liegen.

Und noch ein weiterer Triumph war den französischen Waffen beschieden. Der ‚Forbin‘ brachte das britische Kanonenboot, das statt des ‚Union-Jack‘ nun die Trikolore gehißt hatte, auf den Kampfplatz zurück. Alle vier französischen Schiffe begleiteten die beiden genommenen Fahrzeuge auf der mit Volldampf angetretenen Fahrt nach Toulon.


[XXIV.]

Verzweifelte Niedergeschlagenheit und heftigste Erbitterung hatten sich der Passagiere der ‚Caledonia‘ bemächtigt. Man suchte die Schuld für das Unglück nicht so sehr in einem unberechenbaren Zufall, als in einer unverzeihlichen Nachlässigkeit der maßgebenden englischen Militärbehörde.

„Da haben wir wieder einmal ein schlagendes Beispiel englischer Unvorsichtigkeit,“ sagte Mr. Kennedy. „Wie durfte man die ‚Caledonia‘ unbeschützt fahren lassen! So viel Kriegsschiffe lagen müßig in Bombay, in Aden, in Port Said, und doch sah man sich nicht veranlaßt, diesem prachtvollen Schiff mit fast tausend Engländern an Bord und mit einer Ladung im Werte von mehr als einer Million Pfund eines oder mehrere von ihnen zur Begleitung mitzugeben. Hatten denn unsere Flottenkommandanten keine Ahnung von der Nähe französischer Schiffe?“

„Unsere Kommandanten,“ meinte der General, „werden sich darauf verlassen haben, daß genug englische Schiffe im Mittelländischen Meere verkehrten, um derartige Unternehmungen zu verhindern.“

Aber man ließ die Entschuldigung nicht gelten, und viele bittere Worte fielen gegen die englische Kriegsleitung. Als dann die Nacht hereinbrach, zogen sich die meisten Passagiere, von den ausgestandenen Aufregungen aufs äußerste erschöpft, in ihre Kabinen zurück. Heideck aber stand noch lange auf Deck und ließ sich den köstlichen Nachtwind um die heißen Schläfen wehen. Ruhig zog das Geschwader seines Weges durch die leise rauschenden Wogen, und die Positionslaternen zeigten deutlich den Stand der einzelnen Schiffe an. Rechts fuhr der ‚Chanzy‘, links die ‚Aréthuse‘, rückwärts der ‚Forbin‘ und der mit französischer Mannschaft besetzte ‚O’Hara‘. Nur von dem Torpedojäger war nichts zu sehen.