„Und jetzt hast du natürlich kein anderes Verlangen, als die Sehnsucht, deine Fahnen wiederzusehen? Ich weiß wohl, daß es einzig der Ehrgeiz ist, der dich leitet.“
„Kannst du einem Offizier einen Vorwurf daraus machen?“
„Ja, wenn er darüber die Menschlichkeit vergißt. Aber sei ganz ruhig, ich werde dich nicht daran verhindern. Ich will deinem Ehrgeiz nicht in den Weg treten, aber ich will ihm auch nicht zum Opfer fallen.“
„Das sollst du gewiß nicht. Wir werden glücklich werden, wenn dieser Krieg beendigt ist. Ich werde dir so wenig untreu werden, wie meiner Pflicht. Kehre ich lebend aus dem Felde zurück, so wird mein Dasein einzig deinem Glücke geweiht sein.“
„Die Liebe ist ein Vogel, dem man nicht zu viel Freiheit lassen darf. Du erinnerst dich, daß ich dir immer gesagt habe, ich würde dich nie verlassen.“
„Aber, meine geliebte Edith, das ist doch ganz unmöglich! Hast du denn gar keine Vorstellung davon, wie es im Kriege zugeht?“
„Ich dächte, daß ich genug davon gesehen hätte.“
„Ja, in Indien und auf dem Meere. Aber in Europa wird der Krieg doch etwas anders geführt. Jeder Platz in den Eisenbahnzügen ist genau berechnet, und in den Quartieren, in den Kantonnements und im Biwak ist es ebenso. Für eine Dame ist da nicht Raum. Was würden die Kameraden von mir sagen, wenn ich in deiner Gesellschaft erschiene?“
„Du kannst ja sagen, ich sei deine Frau.“
„Aber Edith, über so etwas ist gar nicht ernsthaft zu reden. Als preußischer Offizier bedarf ich des Konsenses, um heiraten zu können. Wie kann ich jetzt in Begleitung einer Dame zur Armee kommen? Oder wie könnte ich gerade jetzt einen Heiratskonsens verlangen?“