„Aber liebste Edith, wie denkst du dir das nur?“
„Ich will ganz außerhalb aller konventionellen Formen stehen, sonst ertrage ich das Leben in Deutschland nicht. Ich soll wohl vor Bangigkeit sterben in einer Pension, während ich jeden Augenblick an die Gefahren denke, denen du ausgesetzt bist. Nein, das ertrage ich nicht. Ich habe zuviel erlebt, ich habe zuviel Schreckliches gesehen. Meine Nerven halten das nicht aus, jetzt in einer Familie oder in einer Berliner Pension in der Trivialität des Alltaglebens dahin zu vegetieren. Habe Mitleid mit mir und verlaß mich nicht! Deine Gegenwart ist die einzige wirksame Arznei für meine Seele.“
„Ach, liebste Edith, mein ganzes Herz ist ja von dir erfüllt, und gern tue ich, was du willst. Aber zweckmäßig und praktisch muß doch jeder Schritt sein, den wir tun. Wenn du sagst, daß du bei mir bleiben willst, so muß sich deiner Vorstellung doch irgend ein Bild, irgend eine bestimmte Form der Ausführung zeigen. Wie denkst du dir denn die Art und Weise unseres Beisammenseins? Bedenke, daß ich nach meiner Rückkehr Offizier im Dienst bin und die Befehle ausführen muß, die ich erhalte.“
„O ja, ich wüßte schon einen Weg. Wir haben doch gesehen, daß Fürst Tschadschawadse einen Pagen bei sich hatte. Ich will dein Page sein.“
„Welche Phantasie! — Preußische Offiziere haben keine Pagen im Feldzuge!“
„Nun, auf das Wort kommt es nicht an. Ihr müßt doch Diener haben, wie die englischen Offiziere auch; ich will dein Boy sein.“
„Zu solchen Dienstleistungen werden bei uns Soldaten kommandiert, liebste Edith.“
„Dann werde ich als Soldat mitgehen. Bin ich doch auch schon als Radjah gegangen!“
Eine Falte der Ungeduld erschien auf Heidecks Stirn, und sie war den scharfen Augen des jungen Weibes nicht entgangen.
„Ja,“ sagte sie heftig, „wenn es auch so scheint, als hättest du mich satt, ich lasse nicht von dir! Die Entfernung ist der Liebe schlimmster Feind, und du bist das einzige Band, das mich an das Leben fesselt.“