Heideck schlug die Augen nieder, um seine Gedanken nicht zu verraten. Seitdem er die Zeitungen gelesen hatte, die ihm eine deutlichere Vorstellung der Weltlage gaben, war sein Geist noch mehr als auf der bisherigen Reise mit kriegerischen Bildern erfüllt. Er liebte Edith, aber die Liebe füllte sein Leben nicht aus wie das ihre. Die Nachrichten der italienischen und französischen Blätter hatten ihn, der so lange von Europa entfernt gewesen war, in ein wahres Fieber versetzt. Die Auflösung des Dreibundes und die neue Allianz Deutschlands mit Frankreich und Rußland hatte eine völlige Veränderung des politischen Horizonts herbeigeführt. Er hörte das Stampfen der Rosse, das Klirren der Waffen, den Donner der Geschütze. Unermeßlich und bedeutungsvoll war der Krieg.

Es handelte sich um Deutschlands Existenz! Auf mehr als drei Milliarden wurden die Verluste geschätzt, die Deutschland bis jetzt erlitten hatte. Alle deutschen Kolonieen waren von den Engländern in Beschlag genommen worden, hunderte von deutschen Handelsschiffen waren verloren, der deutsche Handel mit dem Auslande war vollständig lahm gelegt, der deutsche Kredit war erschüttert. Wenn Deutschland nicht schließlich den Sieg errang, so bedeutete dieser Krieg das Ende seiner Großmachtstellung.

Er sprang auf.

„Es muß sein, teuerste Edith, wir müssen uns zunächst trennen!“

Sie erbleichte. Mit angstvollem Blicke haschte sie nach seiner Hand und hielt sie fest.

„Verlaß mich nicht!“

„Ich muß völlige Freiheit haben! Für jetzt! Nach dem Kriege gehöre ich ganz dir.“

„Nein, nein, du kannst nicht so grausam sein! Du darfst mich nicht verlassen!“

„Wir werden uns wiedersehen! Ich liebe dich und ich bleibe dir treu. Aber jetzt verlange ich ein Opfer von dir. Ich bin ein deutscher Offizier, mein Leben gehört jetzt meinem Vaterlande.“

Sie glitt von ihrem Stuhl nieder auf die Erde und umklammerte seine Kniee.