„O, ich denke, was ich gesehen habe, wäre deutlich genug gewesen.“
„Wenn darin etwas Tadelnswertes zu finden ist, so fällt alle Schuld lediglich auf mich,“ nahm jetzt Heideck das Wort. „Gönnen Sie mir einige Minuten unter vier Augen, Mrs. Kennedy, und ich werde Sie überzeugen, daß Mrs. Irwin keinen Vorwurf verdient.“
„Ich bedarf keines Fürsprechers und keines Verteidigers!“ rief Edith in leidenschaftlicher Erregung. „Weshalb sollen wir unsere Liebe länger verbergen? Dieser Mann, Mrs. Kennedy, hat mir mehr als einmal Leben und Ehre gerettet, und es bedeutet für mich keine Demütigung, vor ihm auf den Knieen zu liegen.“
In ihrem Gesicht und in dem Ton ihrer Worte mochte etwas sein, das der Engländerin trotz ihres empörten Schicklichkeitsgefühls ans Herz ging. Der strenge Ausdruck verschwand aus ihren Zügen, und mit freundlicher, fast mütterlicher Sanftmut sagte sie:
„Kommen Sie, mein armes Kind! Ich habe gewiß kein Recht, mich zur Richterin aufzuwerfen über Ihr Tun und Lassen. Aber ich bin wohl alt genug, daß Sie Vertrauen zu mir haben dürfen.“
Edith lehnte, überwältigt von dieser plötzlichen Güte, den Kopf an ihre Schulter. Heideck aber fühlte, daß es gut sei, die beiden Damen jetzt sich selbst zu überlassen.
„Sie erlauben mir, meine Damen, mich vorläufig zu entfernen.“
Mit einer raschen Bewegung legte Edith ihre Hand auf seinen Arm.
„Sie geben mir Ihr Wort, Kapitän Heideck, daß Sie nicht abreisen werden, ohne mir Lebewohl zu sagen?“