Die Wirkung dieser gleichmütig hingeworfenen Worte auf die beiden Männer war ganz erstaunlich. Pénurots gelbes Gesicht nahm eine fast grünliche Färbung an; die harten Züge des andern verzerrten sich in geradezu erschreckender Weise zu einer Grimasse der Wut. Er würgte, als ob er einen ingrimmigen Fluch hinunterschlucken müßte, und dann, nach einem schweren Atemzuge, sagte er:
„Einen Admiral Hollway kenne ich nicht, und in Dover bin ich überhaupt nicht gewesen.“
„Gut! Gut! — Reden wir von Ihren Geschäften! Oder auch von den Ihrigen, Herr Pénurot! Die Schiffsladung Heringe, die Sie da kaufen wollen, ist natürlich nicht für den Absatz in Breskens bestimmt, sondern für irgend einen Geschäftsfreund in Antwerpen, nicht wahr?“
Er erhielt keine Antwort. Und ruhig, als handelte sich’s bei seinem Reden und Tun um die selbstverständlichsten Dinge von der Welt, wandte er sich zu dem Schrank, nahm, ehe die Anderen seine Absicht noch recht begriffen hatten, das zweite Weizenbrot heraus und brach es rasch mitten durch. Diesmal war es ein zusammengefaltetes Papier, das dabei zum Vorschein kam. Heideck breitete es auseinander und sah, daß es mit einer langen Reihe von Fragen in englischer Sprache beschrieben war.
„Sieh da,“ sagte er, „es muß ja ein verwünscht neugieriger Herr sein, der dies Papier in Ihr Frühstücksbrot hat hineinbacken lassen. ‚Wie stark ist die Besatzung von Antwerpen? Welche Regimenter? Welche Batterien? Wer sind die Kommandanten der Außenforts? Wie ist der genaue Plan des Ueberschwemmungsgebiets? Wie verhält sich die Bevölkerung gegenüber den deutschen Truppen? Wieviel deutsche Kriegsschiffe liegen im Hafen und in der Schelde? Wie sind sie verteilt? Genaue Angaben über die Bestückung und Bemannung aller Kriegsschiffe. Wieviele und welche Schiffe der deutschen Schiffahrtsgesellschaften sind der deutschen Flotte zugeteilt? Wieviele Truppen stehen auf der Insel Walcheren? Wieviele in der Umgebung Antwerpens? Wie sind die Truppen an beiden Ufern der Schelde verteilt? Sind Truppen bereit gestellt, um auf den Kriegsschiffen und Transportfahrzeugen eingeschifft zu werden? Ist ein Zeitpunkt dafür festgesetzt worden? Besteht ein Plan für die Verwendung der deutschen Flotte? Was verlautet über die Vereinigung der deutschen Flotte mit der französischen?‘ — — Das ist nur ein kleiner Teil des langen Registers; aber er genügt schon, um die Natur der übrigen Fragen erraten zu lassen. Was der Tausend möchte Admiral Hollway für seine armseligen dreißig Pfund alles erfahren? Oder war das nur eine kleine Anzahlung? Es scheint mir undenkbar, Herr Pénurot, daß Ihr Korrespondent in Antwerpen für dreißig Pfund so viel sollte liefern können.“
Die beiden Männer waren von der Wucht des unerwarteten Schlages offenbar ganz niedergeschmettert. Für einen Augenblick, als Heideck das Papier aus dem Brot zog, hatte es den Anschein gehabt, als ob Brandelaar sich auf ihn stürzen und es ihm mit Gewalt entreißen wolle. Aber der Gedanke an die Soldaten mochte ihn noch zur rechten Zeit von einer törichten Handlung zurückgehalten haben.
Nun stand er mit zusammengekniffenen Lippen und tückisch glitzernden Augen da.
„Ich verstehe Sie nicht, Herr Major,“ brachte Pénurot mit sichtlicher Anstrengung heraus. „Ich weiß nicht das mindeste von diesem Papier, ich bin ein rechtschaffener Geschäftsmann.“
„Und auch Sie hatten natürlich keine Ahnung von der bedeutsamen Füllung Ihrer Weizenbrote, Herr Brandelaar? — Nun, ich bin ja nicht berufen, das weiter zu untersuchen. Das ist Sache des Kriegsgerichts, und da wird schon Klarheit in die Angelegenheit kommen.“