„Nun, nach der Entscheidung wird sich ja alles wieder ausgleichen. Jetzt aber, da es hier nichts Dringendes mehr für mich zu tun gibt, ist es wohl an der Zeit, daß ich mich nach Antwerpen begebe.“


Eberhard Amelungen vermochte seine Betroffenheit nicht zu verbergen, als er einen Offizier in der Uniform des preußischen Generalstabs über die Schwelle seines Privatkontors treten sah.

Er war ein Mann von etwa sechzig Jahren und der typischen Erscheinung des soliden, ehrenhaften Kaufmanns.

„Ich bin einigermaßen überrascht, mein Herr,“ sagte er gemessen. „Womit kann ich Ihnen dienen?“

Heideck stellte sich vor und nannte ihm ohne Umschweife die Ursache seines Erscheinens.

„Ich habe Grund, zu vermuten, Herr Amelungen, daß Sie, wenn nicht alle, so doch einige Hauptfäden eines weitverzweigten Spionagenetzes in Ihren Händen halten. Und ich glaube, daß es in Ihrem Interesse liegen würde, mir aus freien Stücken die volle Wahrheit zu sagen. Wir wissen schon so viel, daß es Ihnen voraussichtlich wenig nützen wird, sich aufs Leugnen zu verlegen.“

Amelungen spielte mit dem Federhalter, aber seine Hände zitterten merklich, und er suchte vergebens nach Worten. Sein Gesicht war aschfahl geworden, und Heideck konnte sich einer Regung des Mitleids nicht erwehren.

„Es tut mir leid, durch mein Amt zum Vorgehen gegen Sie gezwungen zu werden,“ fuhr er fort. „Ich kann ja Ihre Beweggründe sehr wohl verstehen. Sie sind Niederländer und Patriot, und da Sie die politische Lage vielleicht nicht vollkommen verstehen, stellt sich Ihnen die Okkupation Ihres Vaterlandes durch eine fremde Macht als ein Gewaltakt dar, der Sie mit Haß und Zorn gegen uns erfüllt. Darum glaube ich, Ihnen versprechen zu dürfen, daß man Sie mit aller nur möglichen Milde behandeln wird, sofern Sie mir meine Aufgabe durch ein offenes Geständnis erleichtern.“

Eberhard Amelungen schüttelte den Kopf.