Der Oberstleutnant trat auf ihn zu und sagte:

„Die Entzifferung des Schriftstücks ist schneller gelungen, als ich zu hoffen gewagt. Und ich habe sofort an das Polizeiamt in Schleswig telegraphiert, daß der Verfasser, ein gewisser Brodersen, unverzüglich verhaftet werde. Bitte überzeugen Sie sich selbst, was für Freunde wir dort unter den Dänen haben.“

Heideck las:

‚Im Kieler Hafen liegen von größeren Kriegsschiffen nur die Schlachtschiffe ‚Oldenburg‘, ‚Baden‘, ‚Württemberg‘, ‚Bayern‘, ‚Sachsen‘, die großen Kreuzer ‚Kaiser‘, ‚Deutschland‘, ‚König Wilhelm‘, die kleinen Kreuzer ‚Gazelle‘, ‚Prinzeß Wilhelm‘, ‚Irene‘, ‚Komet‘ und ‚Meteor‘, sowie die Torpedodivisionsboote ‚D 5‘ und ‚D 6‘ mit ihren Divisionen. Außerdem ca. 100 große und kleine Dampfer des Norddeutschen Lloyd, der Hamburg-Amerika-Linie, der Stettiner Gesellschaft u. a. Alle großen Dampfer sind mit Schnellfeuerkanonen und Maschinengewehren, die kleinen nur mit Maschinengewehren ausgerüstet. Aus Hannover, Mecklenburg, Pommern und der Provinz Sachsen sind 50000 Mann Infanterie und Artillerie mit nur zwei Regimentern Husaren in der Nähe von Kiel zusammengezogen worden. Ueber die Pläne der deutschen Regierung gehen die Ansichten meiner Freunde auseinander. Möglicherweise ist ein Heranziehen von Linienschiffen durch den Kaiser Wilhelm-Kanal und ein mit der russischen Flotte kombinierter Angriff auf die britische Flotte bei Kopenhagen beabsichtigt.

Am wahrscheinlichsten ist, daß die Transportflotte die bei Kiel zusammengezogene Armee aufnehmen und durch den Kaiser Wilhelm-Kanal in die Nordsee bringen soll, wo dann eine Vereinigung mit der bei Antwerpen liegenden deutschen Schlachtflotte und den von Cherbourg herüberkommenden französischen Geschwadern stattfinden würde. Unter dem Schutze der Schlachtflotte würde man versuchen, die deutsche Armee und die von Boulogne kommenden französischen Truppen bei Dover oder sonst einem nahen Punkte der englischen Küste an Land zu bringen.

Ich bestätige Herrn van Spranekhuizen den Empfang von 10000 Frs, bitte aber um weitere Uebersendung des doppelten Betrages. Meine Agenten setzen ihr Leben ein und wollen nicht billiger arbeiten.‘

„Auch du, mein lieber Brodersen, hast dein Leben eingesetzt,“ sagte der Oberstleutnant ernst, „und ich möchte in diesem Augenblick nicht allzuviel dafür geben.“

„Diese Notizen sind für uns recht lehrreich,“ bemerkte Heideck. „Wenn wir den Admiral Hollway in dem Glauben bestärken, daß wir nicht von Kiel, sondern von Antwerpen aus eine Landung der deutschen Truppen in England beabsichtigen, so wird unsere in Kiel vereinigte Transportflotte mit um so größerer Sicherheit die Nordsee passieren und die Landung in Schottland bewerkstelligen können.“