In diesem Augenblick verstummten in Heidecks Innern alle andern Gedanken und Gefühle vor der übermächtigen Freude des Wiedersehens. Er stürzte auf Edith zu und riß sie an seine Brust. Lange sprachen beide kein Wort. Aber sie wurden nicht müde, sich zu küssen und einander lachend wie übermütige Kinder in die Augen zu sehen.
Dann endlich, sich langsam aus seinen Armen befreiend, sagte Edith:
„Du zürnst mir also nicht, daß ich trotz deines Verbots gekommen bin? Du wirst mich nicht wieder von dir weisen?“
Ihre Stimme drang ihm ins Ohr wie süße, schmeichelnde Musik. Wo wäre der Mann gewesen, der dieser bestrickenden Stimme hätte widerstehen können?
„Ich möchte dir wohl zürnen, mein Lieb, aber ich kann nicht — bei Gott, ich kann es nicht!“
Und wieder begegneten sich ihre Lippen in einem langen, glühenden Kusse.
„Ich hätte nicht länger leben können ohne dich,“ flüsterte das junge Weib. „Ich mußte dich wiedersehen, oder ich wäre an meiner Sehnsucht gestorben.“
„Du Süße, Einzige! — Aber diese Verkleidung? — Und wie hast du es nur angefangen, über den Kanal zu kommen?“
„Ich habe den Weg eingeschlagen, den du mir gezeigt hast. — Und meine Verkleidung — mißfällt sie dir gar so sehr?“