Sie hatte den häßlichen, entstellenden Mantel abgeworfen und stand in einem dunkelblauen Matrosenanzug vor ihm. Selbst in der malerischen Kleidung eines indischen Radjah war sie ihm nicht reizender erschienen.

„Was mir daran mißfällt ist nur, daß auch andere Augen als die meinigen dich darin sehen durften. Aber du bist mir noch immer die Erklärung schuldig geblieben, wie du hierher gelangen konntest.“

„Mit deinem Liebesboten, deinem Postillon d’amour, der freilich etwas ungeschlacht und unbeholfen war für eine so zarte Mission.“

„Wie? Mit Brandelaar kamst du?“ rief Heideck überrascht.

„Ja! Schon in dem Augenblick, da ich deinen Brief aus seiner groben Seemannsfaust empfing, war mein Entschluß gefaßt. Ich fragte ihn, ob er nach Vlissingen zurückkehre, und als er es bejahte, erklärte ich, daß er mich mitnehmen müsse, es koste was es wolle. Ich würde ihm unbedenklich mein ganzes Vermögen für die Ueberfahrt bezahlt haben. Aber der Gute hat es sehr viel billiger getan.“

„Du Unbesonnene!“ schalt Heideck. Aber der Stolz auf sein schönes, unerschrockenes Lieb leuchtete ihm dabei hell aus den Augen. „Ich werde diesem Brandelaar ernsthafte Vorwürfe machen müssen, daß er seine Hand zu einem so gefährlichen Spiel bieten konnte. Warum aber hat er so lange mit der Rückkehr gezögert?“

„Ich glaube, er hatte allerlei Geschäfte geheimnisvoller Art. Und nicht er allein. Auch ich hatte meine Geschäfte. Denn ich wollte nicht mit leeren Händen zu dir kommen, mein Freund!“

„Nicht mit leeren Händen? Wie soll ich das verstehen?“

„Ich zerbrach mir den Kopf, womit ich dir wohl eine recht große Freude machen und deinen Zorn über mein plötzliches Erscheinen beschwichtigen könnte — diesen schrecklichen Zorn, vor dem ich eine solche Angst hatte. Und da ich von Brandelaar hörte, daß es deine Aufgabe sei, militärische Geheimnisse auszukundschaften —“

„Der gute Brandelaar ist ein Schwätzer. Es scheint ja, daß deine schönen Augen ihn verleitet haben, dir sein ganzes Herz auszuschütten.“