„Und wenn es so gewesen wäre?“ fragte sie mit schelmischem Lächeln. „Hättest du dann nicht alle Ursache, dich bei ihm wie bei mir dafür zu bedanken? — Aber freilich — du weißt ja noch nicht einmal, was ich dir mitgebracht habe. Bist du denn gar nicht neugierig?“
„Doch nicht etwa ein militärisches Geheimnis?“
Er sagte es in scherzendem Tone. Sie aber nickte mit wichtiger Miene.
„Jawohl — ein großes Geheimnis. Der Zufall war mein Bundesgenosse, sonst wäre ich schwerlich dazu gekommen. Da ist es! — Aber sei gewiß, daß ich eine entsprechende Belohnung dafür verlangen werde.“
Sie hatte ihm einen verschlossenen Umschlag gereicht, den sie so lange unter ihrer Kleidung verborgen gehalten hatte. Und als Heideck in wachsender Spannung das darin befindliche Blatt entfaltete, erkannte er auf den ersten Blick das blaue Stempelpapier der englischen Admiralität.
Sobald er die ersten Zeilen gelesen, fuhr er in heftigster Erregung auf. Sein Gesicht war dunkelrot geworden, und zwischen seinen Augenbrauen lag plötzlich eine scharfe, tiefeingeschnittene Falte.
„Was ist das?“ stieß er hervor. „Um Gottes willen, Edith, wie kamst du zu diesem Papier?“
„Wie ich dazu kam? — Ach, das ist doch ganz nebensächlich. Die Hauptsache ist doch, ob es für dich einen Wert hat oder nicht. Aber freust du dich denn nicht darüber?“
Wie hypnotisiert starrte Heideck noch immer auf das mit den gleichmäßigen Zügen einer geübten Kanzlistenhand beschriebene Blatt.