„Unfaßbar!“ murmelte er. Und dann, indem er seine Augen plötzlich mit einem beinahe drohenden Blick auf Edith richtete, wiederholte er:

„Wie bist du dazu gekommen?“

„Du fragst wie ein Untersuchungsrichter. Aber du magst es in Gottes Namen wissen. Der Bruder der Frau, bei der ich in Dover wohnte, ist als Geheimsekretär bei der Admiralität angestellt — ein armer, brustkranker Mensch, der keinen sehnlicheren Wunsch hatte, als den, sich auf Madeira oder in Aegypten von seinem Leiden zu kurieren. Ich habe durch die Gewährung der hierzu erforderlichen Mittel ein menschenfreundliches Werk getan. Ich bat ihn, mir gegen ein weiteres Geldgeschenk die Kopie eines wichtigen Schriftstückes seines Ressorts zu geben.“

Sie brach plötzlich ab, denn ein kurzes, schneidendes Auflachen Heidecks hatte sie mit Schrecken und Bestürzung erfüllt.

„Ein menschenfreundliches Werk!“ wiederholte er im Tone unsäglicher Bitterkeit. „Ja, wußtest du denn auch, was dieser Mensch dir da verkaufte?“

„Er sagte, es sei der Plan des englischen Flottenangriffs, und ich dachte, das würde dich interessieren.“

„Aber du warst dir der Tragweite deiner Handlung nicht bewußt, nicht wahr? du ahntest nicht, daß deinem Vaterlande ein unberechenbarer Schaden erwachsen könnte, wenn dieser Plan zur Kenntnis seiner Feinde gelangte?“

Etwas wie eine furchtbare Angst zitterte aus seiner Stimme. Edith aber schien seine Aufregung nicht zu begreifen.

„Ich verstehe dich immer weniger,“ sagte sie ungeduldig. „Hier gibt es doch nur zweierlei: Entweder hat dies Papier Bedeutung für dich, und dann solltest du mir umsomehr Dank wissen, je wichtiger es dir erscheint. Oder der Schreiber hat mich hinsichtlich seines Wertes getäuscht. Und dann verlohnt es nicht der Mühe, noch ein Wort weiter darüber zu verlieren.“

„Siehst du es so an, Edith?“ fragte er traurig. „Nur so? Dachtest du nur an dich und an mich, als du mit deinem Golde einen Unglücklichen bestachst, das schimpflichste aller Verbrechen zu begehen?“