„Ich sagte nicht, daß ich dich verachte, aber — —“
„Nun, was willst du anderes sagen?“
„Nochmals — ich verachte dich nicht, aber es entsetzt mich, zu sehen, wessen du fähig bist.“
„Ist das nicht mit anderen Worten dasselbe? Man kann das Weib nicht lieben, vor dessen Handlungsweise man sich entsetzt. Sage mir’s doch frei heraus, daß du mich nicht mehr lieben kannst!“
„Es wäre eine Lüge, Edith, wenn ich es sagte. Unser Glück hast du getötet, nicht aber meine Liebe.“
Sie hörte von seiner Erwiderung nichts als die letzten Worte, und mit hell aufleuchtendem Blick warf sie sich an seine Brust.
„So schilt mich nach Gefallen, du strenger Mann! Ich will geduldig alles hinnehmen, wenn ich nur weiß, daß du mich noch liebst und daß du mein sein wirst, ganz mein, sobald dieser entsetzliche Krieg sich nicht mehr wie ein Schreckgespenst immer aufs neue zwischen uns drängt.“
Er hatte ihre Liebkosungen nicht erwidert, und nun drängte er sie mit sanfter Gewalt von sich.
„Verzeih, wenn ich dich jetzt verlassen muß,“ sagte er mit seltsam gepreßter Stimme, „aber ich muß mit Tagesanbruch in Antwerpen sein.“
„Ist es wirklich so dringend? Darf ich dich denn nicht begleiten?“