„Lebe wohl, mein Lieb! — Lebe wohl!“

Als er die Tür hinter ihr zufallen hörte, machte er eine ungestüme Bewegung, wie wenn er ihr nachstürzen und sie zurückhalten wollte. Aber nach dem ersten Schritt blieb er stehen und preßte die zur Faust geballte Linke fest auf das stürmisch pochende Herz. Ein Ausdruck unbeugsamer Entschlossenheit war auf seinem gleichsam versteinerten Gesicht, und um seine Mundwinkel hatten sich zwei tiefe, scharfe Linien eingegraben, als wäre er innerhalb dieser einzigen Stunde um ein Jahrzehnt gealtert.


[XXX.]

Der Schiffer Brandelaar hatte Edith den Namen des am Hafen gelegenen Gasthofes genannt, in dem ihn eine Nachricht Heidecks noch während der Nacht erreichen würde, denn er mußte voraussehen, daß der Major den Wunsch haben würde, ihn so bald als möglich zu sprechen.

Nun war er nicht wenig überrascht, als er statt des erwarteten Boten seinen schönen, verkleideten Passagier in das niedere, verräucherte Schänkzimmer eintreten sah, und er ging Edith mit einer gewissen unbeholfenen Ritterlichkeit entgegen, um sie vor der Neugier und den Zudringlichkeiten der Männer zu schützen, die mit ihm am Tische gesessen hatten, und deren verwitterte Gesichter ebensowenig vertrauenerweckend aussahen, als ihre teerduftende, von Wind und Wetter arg mitgenommene Kleidung.

Er wollte eine verwunderte Frage an sie richten, aber Edith kam ihm zuvor.

„Ich muß noch in dieser Nacht nach Dover zurück,“ sagte sie leise und hastig. „Wollen Sie mich hinüber bringen? — Ich zahle Ihnen dafür, was Sie verlangen.“