„Gewiß — gewiß! Ich begehre Ihre Gefälligkeit nicht umsonst. Fünfzig Pfund für Sie in dem Augenblick, wo ich meinen Fuß in das Boot setze.“
„Wohl! — Und zweihundert für den Schiffer und seine Leute — nicht wahr? Die Männer setzen ihr Leben aufs Spiel — das dürfen Sie nicht vergessen. Und sie müssen es außerdem verteufelt geschickt anstellen, wenn sie unbemerkt an den deutschen Wachtschiffen vorbeikommen sollen.“
„Ja doch — ja! Weshalb verlieren wir so viel Zeit mit dieser überflüssigen Verhandlung! Hier ist das Geld — nun schaffen Sie mir ein Boot!“
„Gehen Sie dort hinein,“ sagte Brandelaar, auf die Tür eines kleinen, dunklen Nebenzimmers deutend. „Ich will versuchen, ob es mein Freund van dem Bosch tut.“
Edith warf, ehe sie seiner Aufforderung Folge leistete, einen Blick zu dem Manne hinüber, auf den er mit einer Bewegung des Kopfes hingewiesen hatte. Von gewinnender äußerer Erscheinung war dieser vierschrötige Seebär sicherlich nicht, aber sein abschreckendes Aussehen vermochte Edith nicht eine Sekunde lang in ihrem Entschluß zu beirren.
„Gut — reden Sie mit Ihrem Freunde, Brandelaar! Aber sorgen Sie, daß, ich nicht zu lange auf seine Zusage warten muß.“
Und der wackere Brandelaar mußte in der Tat ein sehr wirksames Mittel der Ueberredung gefunden haben, denn es waren noch kaum zehn Minuten vergangen, als er Edith melden konnte, daß van dem Bosch bereit sei, unter den angebotenen Bedingungen die Fahrt zu wagen. Von der Gefährlichkeit des Unternehmens sprach er jetzt nicht mehr, als fürchte er, die junge Engländerin damit von ihrem für ihn so gewinnbringenden Vorhaben abzuschrecken. Und es wurde von diesem Augenblick an überhaupt nicht mehr viel von der Sache geredet. Der Weg bis zu der Stelle, wo der Fischerkutter vor Anker lag, war nicht lang, und wacker kämpfte sich Edith zwischen den beiden Männern, die schweigend an ihrer Seite dahinstapften, gegen den in unregelmäßigen Stößen vom Meere her brausenden Nordsturm vorwärts. In einer Jolle ruderten sie zu dem Fahrzeug hinüber, und Brandelaar hatte, als er zum Quai zurückkehrte, seine fünfzig Pfund richtig in der Tasche.
„Wenn Sie der Herr Major nach mir fragt, dürfen Sie ihm getrost die volle Wahrheit mitteilen,“ hatte Edith ihm gesagt. „Und auch einen Gruß von mir sollen Sie ihm ausrichten — einen herzlichen Gruß. Vergessen Sie das nicht, Brandelaar!“