Er räusperte sich und spuckte nach Seemannsart ins Meer.

Die beiden anderen sprachen kein Wort. Schweigend gehorchten sie den Befehlen des Schiffers, der wieder auf die Scheldemündung zuhalten wollte.

Einen Rettungsversuch machten sie nicht. Es wäre ja auch ein völlig zweckloses Beginnen gewesen. — —


[XXXI.]

Der letzte fahrplanmäßige Zug nach Antwerpen war längst abgegangen, als Heideck auf dem Bahnhof ankam. Aber es bedurfte nur einer kurzen Verhandlung mit dem Eisenbahnlinien-Kommissar, um den Wunsch des Majors, ihm eine Lokomotive zur Verfügung zu stellen, sofort zu erfüllen. Als er den Heizerstand bestiegen hatte, legte der Stationsvorsteher salutierend die Hand an die Mütze und gab dem Lokomotivführer das Zeichen zur Abfahrt. Wie ein schneidender, körperlicher Schmerz fuhr es für einen Moment durch Heidecks Brust, als die Maschine sich stampfend in Bewegung setzte. Was er bei dieser Abreise für immer hinter sich ließ, war das Glück seines Lebens. Eine dumpfe, lähmende Traurigkeit lag auf seinem Herzen. Er erschien sich selber wie ein seelenloser Mechanismus, der gleich dieser keuchenden, rastlos vorwärts strebenden Lokomotive in blindem Gehorsam einem fremden Willen untertan war. War doch all sein Handeln jetzt nicht mehr durch eigene Entschließungen bestimmt, sondern durch ein unerbittliches, höheres Gesetz — durch das eherne Gesetz der Pflicht. Er hatte keine persönliche Freiheit und keine persönliche Verantwortlichkeit mehr. Sein Weg war ihm so klar und scharf vorgezeichnet, wie ihn die eisernen Schienengeleise auch diesem Dampfwagen vorschrieben. Mit fest zusammengepreßten Lippen blickte er unverwandt vor sich hinaus. Was hinter ihm lag, mußte ja für immer für ihn abgetan sein. Nur ein gebieterisches ‚Vorwärts‘ durfte fortan noch seine Losung sein. — — —

Um sechs Uhr morgens stand er vor dem königlichen Schlosse an der Place de Meir, wo der Prinz-Admiral sein Quartier aufgeschlagen hatte. König Leopold hatte ihm das Schloß als Wohnung angeboten.