[XXXIII.]

Das IX. und das X. Armeekorps waren an der Kieler Föhrde zusammengezogen worden. Die Stadt Kiel und ihre Umgebung waren erfüllt von dem Klirren der Waffen, dem Stampfen der Pferde und von den fröhlichen Gesängen der Soldaten, die große Entscheidungen hoffnungsfreudig erwarteten. Niemand aber wußte etwas Genaues über das Ziel der bevorstehenden Expedition.

Seit den frühen Morgenstunden des 13. Juli ergoß sich ein schier endloser Strom von Mannschaften, Pferden und Geschützen über die Landungsbrücken, welche die Riesendampfer der großen Schiffahrtsgesellschaften mit den Hafenquais verbanden. Andere Truppenabteilungen wurden mit Booten an Bord befördert, und am Abend des 14. war die Einschiffung der ganzen, aus 60000 Mann bestehenden Feldarmee beendet.

Als letzter begab sich in einer Barkasse der kommandierende General in Begleitung des deutschen Reichskanzlers an Bord des großen Kreuzers ‚König Wilhelm‘, der in der Holtenauer Bucht vor Anker lag. Unmittelbar darauf stiegen drei Raketen, die sich leuchtend von dem dunkeln Nachthimmel abhoben, von Bord des Flaggschiffes empor. Langsam setzte sich das ganze Geschwader auf dieses Signal gegen den Kaiser-Wilhelm-Kanal hin in Bewegung.

Die Transportflotte bestand aus etwa 60 großen Dampfern, dem Besitzstande des Norddeutschen Lloyd, der Hamburg-Amerika-Linie und der Stettiner Gesellschaft entstammend. Zu ihrem Schutze wurden sie von den Linienschiffen ‚Baden‘, ‚Württemberg‘, ‚Bayern‘ und ‚Sachsen‘, den großen Kreuzern ‚Kaiser‘ und ‚Deutschland‘, den kleinen Kreuzern ‚Gazelle‘, ‚Prinzeß Wilhelm‘, ‚Irene‘, ‚Komet‘ und ‚Meteor‘, sowie den Torpedo-Divisionsbooten ‚D 5‘ und ‚D 6‘ mit ihren Torpedoboot-Divisionen begleitet.

Als um die elfte Vormittagsstunde des 15. Juli der dumpfe Donner der englischen Panzer vor den Befestigungen der Kieler Föhrde ertönte und die deutschen Festungsgeschütze den britischen Kanonen antworteten, hatte längst das letzte Torpedoboot den Hafen verlassen. —

Heller Sonnenschein brach durch das leichte Gewölk, als der ‚König Wilhelm‘ bei Brunsbüttel in die Elbe einlief. Die vorauseilenden Torpedo-Divisionsboote meldeten, daß die Mündung des Stromes frei sei von englischen Kriegsschiffen, und von Helgoland kam ein auf drahtlosem Wege übermitteltes Telegramm, das diese Meldung bestätigte.