Als der englische Admiral die Kreuzer herankommen sah, die in Staffelkiellinie Steuerbord achteraus liefen und somit sämtlich ihre Buggeschütze zum Feuern bringen konnten, erkannte er, daß jetzt der entscheidende Moment sich vorbereite.

Die Geschütze der Kreuzer fügten den Engländern schweren Schaden zu, denn sie hatten sich rasch auf die gleichmäßig geringer werdende Entfernung eingeschossen. Die hohen Deckaufbauten der Linienschiffe boten ihnen vortreffliche Zielobjekte, so daß bei der lang ausgezogenen Schlachtlinie der Engländer fast jeder Schuß ein Treffer war.

Jetzt wurde für Sir Percy Domvile rasches und energisches Handeln ein zwingendes Gebot der Selbsterhaltung. An die nach der erhaltenen Ordre de bataille anzustrebende Wegnahme der deutschen Flotte war den Umständen nach nicht mehr zu denken, und es konnte sich daher für den Admiral nur noch darum handeln, möglichst viele der feindlichen Schiffe zu vernichten. Auf dem britischen Flaggschiff erschien das Signal ‚rechts um‘, und die Kommandanten wußten, daß es gleichbedeutend war mit dem Befehl, die deutschen Panzer zu rammen.

Aber dieses Manöver, durch welches Sir Domvile der durch den zweiseitigen Angriff veranlaßten drohenden Gefahr allein begegnen konnte, traf den Prinz-Admiral nicht unvorbereitet. Schon in dem gestern abgehaltenen Kriegsrate war damit gerechnet worden, und jeder Kommandant hatte seine Instruktion hinsichtlich der in diesem Falle zu beobachtenden Taktik erhalten. Es war dafür ein besonderes Signal vereinbart worden, und sobald man die Schwenkung der englischen Panzer bemerkte, flog es an der Signalleine des Admiralschiffes in die Höhe. Sofort nahm jedes der deutschen Linienschiffe die ihm nach dem Schlachtplan vorgeschriebene Position ein. Das Geschwader teilte sich in zwei Hälften, von denen die erste Division, hinter das Flaggschiff einschwenkend, mit diesem zusammen ‚links um!‘ machte, während die andere Division, auch links um machend, sich hinter das linke Flügelschiff setzte.

Dies ihm gänzlich unbekannte Manöver kam dem englischen Admiral völlig unerwartet. Seine Absicht war durch das rasche und geschickte Ausweichen der deutschen Schiffe vollständig vereitelt, der geplante Vernichtungsstoß versagte, und seine eigenen Panzer hatten nun, während sie in Dwarslinie weiterfuhren, von rechts und links ein furchtbares Feuer auszuhalten, das namentlich den beiden Flügelschiffen verhängnisvoll wurde. Mit einem Hagel schwerer und leichter Geschosse überschüttet und überdies von wohlgezielten Torpedos getroffen, waren sie innerhalb weniger Minuten gefechtsunfähig geworden, und das eine von ihnen, die ‚Victorious‘, das Schicksal der unglücklichen ‚Formidable‘ teilend, versank mit ihrer über 700 Mann starken Besatzung in den Fluten.

Aber auch die junge deutsche Flotte hatte in diesem Entscheidungskampfe ihre Feuertaufe empfangen.

Alles, was die moderne Kriegstechnik an Vernichtungsmitteln kennt, wurde von jedem der beiden Gegner aufgeboten, um dem anderen den Sieg zu entreißen. Zu den Granaten der schweren Geschütze gesellten sich die Geschosse der leichteren Armierung und der in den Gefechtsmarsen postierten Maschinengewehre, so daß es im eigentlichsten Sinne des Wortes ein ‚Geschoßregen‘ war, der beim Passieren auf die in Rauch und Dampf gehüllten Schiffe niederging.

Hermann Heideck hatte in Indien die Schrecken des Landkrieges in ihren mancherlei Gestalten so gründlich kennen gelernt, daß er seine Nerven vollkommen gestählt glaubte gegen den grauenhaften Anblick von Tod und Verwüstung. Die Szenen aber, die sich während dieses Kampfes rings um ihn her auf dem verhältnismäßig engen Raum des prächtigen Flaggschiffes abspielten, ließen in ihrer Furchtbarkeit alles hinter sich zurück, was er bisher erlebt hatte. Heideck war voller Bewunderung über den Heldenmut und die todverachtende Disziplin der Offiziere und Mannschaften, von denen keiner auch nur einen Fuß breit von dem ihm zugewiesenen Posten wich.

Da er bei dem jetzt auf seinem Höhepunkt angelangten Drama nur die Rolle eines untätigen Zuschauers spielte, konnte er sich frei in allen Teilen des Admiralschiffes bewegen. Und wohin er auch kam, überall bot sich seinem Auge dasselbe Schauspiel grauenhafter Zerstörung und heldenmütiger Pflichterfüllung.