In tiefer Bewegung schloß der Prinz den Admiral Courthille in seine Arme und dankte ihm für sein Erscheinen in der entscheidenden Stunde. Der französische Admiral aber entschuldigte sich wegen seines späten Eingreifens in die Schlacht. „Ich mußte die Nacht abwarten und weit in See gehen mit südwestlichem Kurs, bevor ich den nördlichen Kurs nehmen konnte, um unter dem Schutze der Nacht ungesehen von dem uns blockierenden englischen Geschwader des Prinzen Battenberg den Durchbruch bewerkstelligen zu können.“
Inzwischen waren die hinter dem Feinde hergesandten Aufklärungsschiffe mit der Meldung zurückgekommen, daß die englische Flotte ihren Kurs geändert hätte und auf die Themse zuzuhalten schiene. Ein weiteres Verfolgen des Feindes war nicht möglich gewesen, da der englische Admiral einige Schiffe detachiert hatte, denen die nachfolgenden deutschen Kreuzer nicht gewachsen waren.
Es waren Vorbereitungen getroffen worden, die Verwundeten und Toten an Bord der durch ein Signal dazu bestimmten Schiffe zu geben, was sich auch bei der nun ruhiger gewordenen See mit nicht allzugroßen Schwierigkeiten bewerkstelligen ließ. Jetzt, wo der furchtbare Kampf ausgetobt hatte, kamen die Besatzungsmannschaften erst zum vollen Bewußtsein der durchlebten Schrecknisse. Die Bergung der Verwundeten zeigte, welche grausamen Opfer die Schlacht gefordert hatte. Es war eine schwere und traurige Aufgabe, die manches starke Seemannsherz in Schmerz und Mitleid erbeben ließ. Die Gefallenen waren durch die Sprenggeschosse, die ihnen den Tod gebracht hatten, zumeist entsetzlich zugerichtet, und auch die Verletzungen der Verwundeten, denen die an Bord befindlichen Aerzte im Getümmel der Schlacht nur notdürftig die erste Hilfe hatten angedeihen lassen können, waren fast durchweg so schwerer Art, daß der Transport nur langsam vor sich gehen konnte.
Nachdem die deutschen Schiffe durch Signale gemeldet hatten, daß sie wieder gefechtsfähig wären, erhielten die anderen, welche die Toten und Verwundeten an Bord hatten, sowie die nicht mehr gefechtsfähigen deutschen und die genommenen englischen Schiffe den Befehl nach Antwerpen zu gehen. Das vereinigte deutsch-französische Geschwader aber setzte sich unter dem Oberbefehl des Prinz-Admirals, den Kurs auf die Themsemündung nehmend, in Bewegung.
[XXXV.]
Die langen Fensterreihen von Hampton Court Palace bei London waren trotz der vorgerückten Nachtstunde noch hell erleuchtet. Der vom Regiment der Königs-Ulanen gestellte Doppelposten vor dem Portal kam nicht zur Ruhe, denn ein unausgesetztes Kommen und Gehen hoher Offiziere von den Armeen der drei verbündeten Nationen verlangte die militärischen Honneurs. Unmittelbar nach der für England so unglücklich verlaufenen Seeschlacht bei Vlissingen waren eine große französische Armee und einige Garde-Regimenter des Zaren bei Hastings an der englischen Küste gelandet worden und lagen nun im besten freundnachbarlichen Einvernehmen mit den französischen und den von Schottland her anmarschierten deutschen Truppen im Lager von Aldershot. Das Hauptquartier des Prinz-Admirals war nach Hampton Court verlegt worden, dessen stilles, altehrwürdiges und altberühmtes Schloß damit plötzlich zum Mittelpunkt eines regen militärischen und diplomatischen Lebens wurde.