„Bitte nehmen Sie Platz, Mr. Heideck,“ fügte er hinzu, „ich habe mich ungern entschlossen, Sie zu bemühen, aber ich konnte es Ihnen nicht ersparen. Es ist mir gemeldet worden, daß Sie heute Morgen bei dem Maharadjah waren.“
„Allerdings. Ich hatte in Geschäften mit ihm zu reden. Denn ich stehe im Begriff, für mein Hamburger Haus einen großen Posten Indigo von ihm zu kaufen.“
„In Ihre Geschäfte habe ich mich selbstverständlich nicht einzumischen. Aber ich muß Ihnen sagen, daß wir einen direkten Verkehr von Europäern mit den eingeborenen Fürsten nicht gern sehen. Sie werden deshalb gut tun, mir in künftigen Fällen vorher Mitteilung davon zu machen, wenn Sie zu dem Maharadjah berufen werden, damit wir uns über das, was Sie ihm sagen oder nicht sagen dürfen, verständigen können. Wir dürfen leider nicht allen indischen Fürsten trauen, und dieser hier ist vielleicht einer der unzuverlässigsten unter ihnen. Sie dürfen das, was ich Ihnen da sage, nicht als einen Ausdruck des Mißtrauens gegen Sie ansehen. Die Verantwortlichkeit meiner Stellung aber gebietet mir die allergrößte Vorsicht.“
„Ich begreife das vollkommen, Herr Oberst!“
„Gerade in diesem Augenblick scheint sich die Lage besonders schwierig zu gestalten. Ich müßte mich sehr täuschen, wenn wir nicht recht unruhigen Zeiten entgegen gingen. Der Generalgouverneur von Turkestan ist auf dem Marsche, und seine Avantgarde ist bereits über die Grenze von Afghanistan vorgedrungen.“
Heideck hatte Mühe, die Erregung zu verbergen, in welche diese Bestätigung der Mitteilung Tschadschawadses ihn versetzte.
„Ist das gewiß, Herr Oberst? Was wollen die Russen in Afghanistan?“
„Was sie da wollen? Nun, mein lieber Mr. Heideck, ich denke, das ist ziemlich klar. Ihr Vorgehen bedeutet den Krieg gegen uns. Rußland will das natürlich vorläufig noch nicht offen zugeben. Man behandelt den Vormarsch als eine Angelegenheit, die nur den Emir anginge und um die wir uns nicht zu kümmern hätten. Aber man müßte sehr befangen sein, um die wahre Absicht nicht zu durchschauen.“
„Und darf ich fragen, was der Herr Oberst zu tun gedenkt?“
Oberst Baird mußte den jungen Deutschen in der Tat für eine sehr vertrauenswürdige oder für eine sehr ungefährliche Persönlichkeit halten, da er ihm bereitwillig Antwort gab.