Heideck glaubte zu verstehen, was dieses Kommando zu bedeuten habe. Aber er fragte nur:
„Und Sie werden während der Abwesenheit des Kapitäns unter dem Schutz des Obersten bleiben?“
„Es ist noch nichts bestimmtes darüber beschlossen worden. Weiß doch augenblicklich hier niemand, was uns die nächsten Tage bringen werden. Es ist gewiß, daß sich außerordentliche Ereignisse vorbereiten, und wir armen Frauen müssen im Falle eines Krieges geduldig über uns ergehen lassen, was man über unser Schicksal beschlossen hat.“
„Und der Maharadjah? Sie haben noch nichts von ihm gehört?“
„Oberst Baird hat gestern eine amtliche Unterredung mit dem Fürsten gehabt; aber ich kenne ihren Inhalt nicht, da ich nicht den Mut hatte, danach zu fragen. Daß der Maharadjah sich augenblicklich in feindseliger Stimmung gegen den Obersten befindet, scheint mir indessen leider nur zu gewiß. Ich müßte mich sehr schlecht auf die Eigenart dieser indischen Despoten verstehen, wenn das Ereignis, das sich heute hier zugetragen, nicht unmittelbar auf den Maharadjah zurückzuführen wäre.“
„Ist es unbescheiden, nach der Natur dieses Ereignisses zu fragen?“
„Man hat versucht, den Obersten an seinem eigenen Tische zu vergiften.“
„Wie?“ fragte Heideck erstaunt. „Zu vergiften?“
„Ja. Mr. Baird hat die Gewohnheit, vor jeder Mahlzeit ein Glas Eiswasser zu trinken, und bei dem heutigen Tiffin wurde es ihm, wie immer, von seinem indischen Tafeldecker dargereicht. Aber eine eigentümliche Trübung des Wassers fiel dem Obersten auf. Er leerte das Glas nicht sofort, sondern ließ es ein paar Minuten lang stehen, und nun wurde deutlich ein feiner, weißer Niederschlag auf dem Boden des Gefäßes sichtbar. Die Vermutung, daß es sich um einen Vergiftungsversuch handle, lag um so näher, als der Tafeldecker, den man wegen der Beimischung befragen wollte, plötzlich spurlos verschwunden und auch bis zur Stunde noch nicht wieder aufzufinden ist. Man schüttete einen kleinen Teil der Flüssigkeit in das Futtergefäß der Hunde und stellte es in eine Rattenfalle, die fünf oder sechs dieser gefräßigen Nager enthielt. Zehn Minuten später war nicht eines der Tiere mehr am Leben. Der Rest des Wassers wurde dem Regimentsarzt Doktor Hopkins, einem eifrigen Chemiker, zur Untersuchung übergeben, und er hat versprochen, uns beim Diner über das Ergebnis zu berichten.“
Noch ehe Heideck Gelegenheit gefunden hatte, das Gespräch auf Ediths persönliche Angelegenheiten zurückzuführen, erschien Mrs. Baird in Gesellschaft ihres Gatten und seines Adjutanten. Der Gast wurde mit gewinnender Liebenswürdigkeit begrüßt, und als wenige Minuten später auch der kleine, bewegliche Doktor Hopkins eingetroffen war, setzte man sich zu Tisch.