Vielleicht wäre es dem Obersten lieber gewesen, wenn von der Vergiftungsaffaire in Heidecks Gegenwart nicht die Rede gewesen wäre. Aber die Ungeduld seiner durch den Vorfall in begreifliche Aufregung versetzten Gemahlin ließ sich nicht zügeln.
„Nun, Herr Doktor,“ fragte sie, „was haben Sie gefunden?“
Der Regimentsarzt hatte offenbar nur auf diese Frage gewartet.
„Eines der gefährlichsten aller bekannten indischen Gifte,“ erklärte er mit ernster Miene, „das sogenannte Diamantpulver, gegen das es kein Gegengift gibt und das sich im Körper des Vergifteten nicht nachweisen läßt, weil es pflanzlicher Natur ist und von den Geweben aufgesogen wird.“
Mrs. Baird stieß einen Schrei des Entsetzens aus und legte für einen Moment die Hand über die Augen.
Mr. Hopkins aber fuhr fort: „Ich habe das Diamantpulver noch niemals unter den Händen gehabt, obwohl es gar nicht so selten zur Anwendung gelangen soll. Die Zubereitung ist für uns Europäer bis jetzt noch ein undurchdringliches Geheimnis, das von den indischen Aerzten sorgfältig gehütet wird. An den indischen Fürstenhöfen soll es früher dieselbe Rolle gespielt haben, wie im Mittelalter die berühmte acqua toffana bei den italienischen Despoten.“
Die Ausführungen des Arztes waren unter dem frischen Eindruck des nur durch einen Zufall vereitelten abscheulichen Attentats natürlich nicht danach angetan, die gedrückte Stimmung der kleinen Tischgesellschaft zu heben. Und der Oberst, dem die gelehrten Auseinandersetzungen des Regimentsarztes ersichtlich besonders unbehaglich waren, machte seiner Gattin früher, als es sonst zu geschehen pflegte, ein Zeichen, die Tafel aufzuheben.
Man begab sich auf die von einer Hängelampe beleuchtete Veranda, wo Tee und eisgekühlte Getränke gereicht wurden. Obwohl Heideck während des ganzen Abends nur Augen für Edith Irwin gehabt, hatte er doch beinahe ängstlich alles vermieden, was den Anwesenden seine Empfindungen für die junge Frau verraten konnte. Und auch jetzt, nachdem Edith sich in den äußersten, halbdunklen Winkel der Veranda zurückgezogen, würde er sicherlich nicht gewagt haben, sich in dem Korbsessel niederzulassen, der an ihrer Seite freigeblieben war, wenn sie selbst ihn nicht in vollkommen unbefangenem Tone dazu aufgefordert hätte.
„Sie haben keinen Platz, Herr Heideck — bitte — hier ist noch ein Stuhl frei.“