Und mit einer graziösen Bewegung raffte sie die Falten ihres Foulardkleides zusammen, um ihn vorüber zu lassen. Wieder begegneten sich, von den anderen unbemerkt, für einen Moment ihre Augen. Und wenn er es nicht gewußt hätte, daß er sich rettungslos im Banne dieses schönen jungen Weibes befand, so würde der stürmische Schlag seines Herzens ihn darüber belehrt haben.

Der Abend war ziemlich hell, und als jetzt plötzlich unter dem üblichen Lärmen und Schreien der indischen Kutscher zwischen den Zelten des Lagers ein sonderbarer Wagenzug auftauchte, verstummte die kaum in Fluß gekommene Unterhaltung auf der Veranda, weil alle Blicke sich dem unerwarteten Schauspiel zuwandten, für das — den Obersten vielleicht ausgenommen — zunächst wohl noch niemand eine Erklärung hatte.

Man sah, daß es fünf, von reich geschmückten weißen Buckelochsen gezogene Wagen waren, die ein Reitertrupp in der Kleidung der Leibgarde des Maharadjah eskortierte.

Ihr Anführer ritt bis hart an die Stufen der beleuchteten Veranda, schwang sich hier aus dem Sattel und stieg in vornehmer, würdevoller Haltung zu der in begreiflicher Spannung harrenden Gesellschaft des Obersten empor.

Er war ein schöner junger Mann mit griechisch geschnittenem Gesicht und großen, schwermütigen Augen. Sein Anzug bestand aus einer gelbseidenen Bluse, die mit einem Schal aus violetter Seide umgürtet war, englischen Reithosen und hohen gelben Stiefeln. Sein violett gestreifter seidener Turban war mit einer Perlenschnur durchflochten, und an seiner Brust sandten haselnußgroße Brillanten im Licht der Lampe ihre buntfarbigen Strahlen aus.

„Es ist Tasatat Radjah, der Vetter und der besondere Liebling des Fürsten,“ flüsterte Edith Heideck zu, in dessen Gesicht sie etwas wie eine Frage gelesen haben mochte. „Ohne Zweifel schickt ihn der Maharadjah in einer besonderen Mission.“

Der Oberst hatte sich erhoben und war dem Besucher um einige Schritte entgegengegangen. Aber er reichte ihm nicht die Hand und lud ihn auch nicht zum Niedersitzen ein.

„Ich grüße dich, Sahib, im Namen Seiner Hoheit,“ sagte der Prinz mit jenem edlen Anstand, der dem vornehmen Inder angeboren ist, „und ich wünsche dir Glück und langes Leben. Seine Hoheit übersendet dir als Zeichen seines Wohlwollens wie seiner hohen Achtung vor deinem Amte und deinen Verdiensten ein geringes Geschenk. Er bittet dich, es anzunehmen, zum Beweise, daß auch du vergessen hast, was gestern infolge eines beklagenswerten Mißverständnisses zwischen dir und Seiner Hoheit gesprochen wurde.“

„Seine Hoheit ist sehr gütig,“ sagte der Oberst kühl und gemessen. „Darf ich fragen, worin das mir zugedachte Geschenk besteht?“

Mit einer lässigen Handbewegung wies der Prinz auf die unten haltenden Gefährte.