„Jeder dieser fünf Wagen, Sahib, enthält hunderttausend Rupien.“

„Das wären also fünf Lakh?“

„So ist es. Und ich bitte dich noch einmal, Seine Hoheit durch eine günstige Antwort zu erfreuen.“

Der Oberst überlegte ruhig und kühl seine Antwort, dann sagte er in derselben ruhigen Haltung und mit demselben undurchdringlichen Gesicht, wie zuvor:

„Ich danke dir, Prinz! Laß den Inhalt dieser Wagen in die Vorhalle meines Hauses schaffen. Ueber das, was weiter damit geschehen soll, werde ich die Entscheidung des Vizekönigs abwarten.“

Auf dem Gesicht des Prinzen zeigte sich deutlich ein Ausdruck der Enttäuschung. Eine Weile verharrte er wie in unentschlossenem Nachdenken. Dann, da er aus der Haltung des Obersten erkennen mußte, daß der Engländer die Unterhaltung als beendet ansah, berührte er mit der Rechten leicht die Mitte der Stirn, verbeugte sich und stieg die Stufen der Veranda wieder hinab. Viele kleine Tonnen wurden auf sein Geheiß von den niedrigen Karren herabgehoben und unter dem Beistande englischer Soldaten in den Flur des Hauses geschafft. Dann setzte sich der Zug unter demselben Lärm und Geschrei, wie er gekommen war, wieder in Bewegung und verschwand in der Ferne.

Ein Lächeln lag auf dem eben noch so kalten Gesicht des Obersten, als er sich jetzt seinen Gästen zuwandte; wohl von der Empfindung geleitet, daß er ihnen gewissermaßen eine Erklärung für sein Benehmen schuldig sei.

„Ich betrachte diese halbe Million als einen sehr erwünschten Beitrag zu den Kriegskosten meines Detachements. Diese Orientalen können sich eben niemals in unsere Denkweise hineinversetzen, und unsere Ehrbegriffe werden ihnen immer ein unlösliches Rätsel bleiben. Mit einem Geschenk, das er natürlich mir persönlich zugedacht hat, glaubt dieser Despot alles aus der Welt geschafft zu haben, was ihm möglicherweise Ungelegenheiten bereiten könnte — sowohl den Anschlag gegen Mrs. Irwin, wie die Geschichte mit dem Diamantpulver. Denn er ist durch den verschwundenen Tafeldecker natürlich bereits über den Mißerfolg unterrichtet, und er weiß recht gut, was für ihn auf dem Spiele stehen würde, wenn ich diese skandalöse Geschichte nach Kalkutta berichtete.“

Zum ersten Male sprach der Oberst hier vor andern offen aus, daß er den Maharadjah für den Urheber der beiden Anschläge hielt. Er mußte einen besonderen Grund hierzu haben, und Heideck glaubte ihn zu erraten, als der Oberst auf die Frage des Regimentsarztes, ob er denn nicht gesonnen sei, einen solchen Bericht an den Vizekönig abgehen zu lassen, erwiderte: