„Raval-Pindi?“ rief der Oberst. „Wenn die Russen den Indus herabkommen, treffen sie zunächst auf Attock, und dieses starke Fort wird sie lange genug aufhalten.“

„Hoffentlich! Aber wir dürfen nicht unbedingt damit rechnen. Die Stärke der russischen Armee ist uns zur Zeit noch nicht bekannt. Ihr Vormarsch aber ist offenbar trefflich vorbereitet gewesen. Die Pioniere müssen in den schwierigen Pässen des Hindukusch wahrer Wunder verrichtet haben, und diese russischen Soldaten scheinen von Eisen.“

„Nun,“ sagte der Oberst kurz, „so werden wir ihnen zeigen, daß wir von Stahl sind.“

Der Adjutant überreichte ihm die schriftlichen Dispositionen, und nachdem er sie durchgesehen, erklärte der Oberst:

„Ich werde morgen früh nach Mooltan aufbrechen und denke, mein Detachement morgen abend dort vereinigt zu haben. Der Train mit der Proviantkolonne und der Munitionskolonne freilich kann erst einige Tage später eintreffen, und auch nur zum Teil. Was in aller Welt mag den General bestimmt haben, sich dem Feinde nicht in Raval-Pindi entgegenzustellen? Die Stadt ist befestigt und von starken Forts umgeben; sie ist eine der größten Militärstationen Indiens. Weshalb mußte der General da so weit, bis nach Mooltan, zurückgehen?“

„Der General erwartet eine Entscheidungsschlacht und möchte sich dazu mit der Armee des Generals Hunter vereinigen. Beide Armeen aber sind zur Zeit ungefähr gleich weit von Mooltan entfernt, auch würden die Russen, wie der General meint, Bedenken tragen, soweit vorzugehen, daß sie von Lahore aus in der linken Flanke angegriffen werden könnten. Dort stehen schon jetzt zehntausend Mann, die täglich von Delhi aus verstärkt werden.“

Mit der Verabschiedung des Adjutanten, der den angebotenen Imbiß mit dem Hinweis auf die Dringlichkeit seines Auftrages abgelehnt hatte, wurde auch die Tafel aufgehoben, und der Oberst entschuldigte sich bei seinem Gaste, dem er sich unter den obwaltenden Umständen nicht länger widmen konnte. Seine Offiziere begleiteten ihn, und bald nachher wurde auch Mrs. Baird abgerufen. Unerwartet sahen sich Heideck und Edith Irwin allein.

Ein paar Sekunden lang schwiegen sie beide, wie wenn keines von ihnen den Empfindungen Ausdruck zu geben wagte, die sie erfüllten. Dann aber sagte die junge Frau:

„Sie wollten mit uns ins Feld ziehen, Mr. Heideck, und ich weiß, daß Sie dabei von dem Wunsche geleitet wurden, uns Frauen durch Ihren männlichen Schutz nützlich zu sein. Aber nun ist ja alles anders geworden, und ich bitte Sie, auf Ihren Plan zu verzichten.“