„Ich vermute, daß ich damit in mein sicheres Verderben gehen würde.“

„Und was bringt Sie auf solche Vermutung?“

„Ich sagte Ihnen schon, daß im Falle eines Krieges englische Frauen hier in Indien nur noch in unmittelbarer Nähe der Truppen einigermaßen sicher sind. Sollten wir eine Niederlage erleiden, so wird die Rache des Volkes an seinen Unterdrückern furchtbar sein. Kennen Sie die grausamen Instinkte, die in diesen scheinbar so höflichen und unterwürfigen Menschen schlummern? Die wehrlosen Frauen und Kinder würden ohne Zweifel ihre ersten Opfer sein. So war es bei dem Aufstande vom Jahre 1857, und genau so wird es sich unter ähnlichen Verhältnissen wiederholen. Nana Sahib und seine Gefolgschaft haben sich damals an den unmenschlichsten Martern weißer Frauen und Kinder ergötzt und Ströme unschuldigen Blutes vergossen. Der Kulturzustand des niederen Volkes aber ist seitdem gewiß nicht besser geworden.“

„Sie sprechen, als ob Sie eine Niederlage Ihrer Armee für wahrscheinlich hielten?“ —

„Ich kann meine düsteren Ahnungen nicht los werden. Und Sie selbst, Mr. Heideck? — Seien wir doch ehrlich! Als vorhin der Adjutant dort stand, und als jedes seiner Worte die mangelnde Voraussicht unserer Generale offenbarte, habe ich Ihr Gesicht beobachtet, und ich habe mehr daraus gelesen, als Sie ahnen mögen. Ich will mich nicht in Ihre Geheimnisse drängen, aber ich würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie ganz aufrichtig gegen mich wären. Sie sind nicht der, für den Sie sich hier ausgeben.“

Nicht einen Augenblick zögerte er, ihr die Wahrheit zu bekennen.

„Nein, ich bin deutscher Offizier und von meinen Vorgesetzten zum Studium der angloindischen Armee hierher entsandt.“

Ediths Ueberraschung war ersichtlich nicht allzu groß.

„Ich ahnte es. Und nun gestehen Sie mir ebenso offenherzig die Frage: Glauben Sie an einen Sieg der britischen Waffen?“