Aber das scharfe Auge eines Kosakenoffiziers hatte die kleine Gruppe inmitten eines ganzen Haufens von Toten und Verwundeten erspäht. Er ritt zu den beiden heran, und da er in Heidecks Khakianzug eine englische Uniform zu erkennen glaubte, erteilte er seinen Leuten einen Befehl, über dessen Bedeutung die Geretteten nicht lange im Zweifel blieben, denn sie wurden alsbald von zweien der Kosaken zwischen ihre Pferde genommen, und ohne zu wissen, wohin man sie bringen würde, durchschritten sie die hier und da von den Flammen der brennenden Häuser glutrot beleuchteten Straßen.


[XV.]

Das Grabmal Anar Kalis, ein großes, achteckiges Gebäude in den südlichen Anlagen, war es, das die Gefangenen aufnahm. Heideck und Edith Irwin waren die ersten nicht mehr, die man hier unterbrachte. Denn außer etwa hundert Offizieren befanden sich darin zahlreiche englische Damen und Kinder, denen die Befreier früh genug erschienen waren, um sie vor dem grauenhaften Schicksal der Mrs. Baird und ihrer Kinder zu bewahren.

An der offenen Tür des den Frauen angewiesenen Raumes mußte sich Heideck von Edith Irwin trennen. Zu langem Abschiednehmen ließ man ihnen nicht Zeit. Aber selbst wenn sie ganz allein mit einander gewesen wären, würden sie in diesem Augenblick kaum fähig gewesen sein, viele Worte zu machen. Nach all den vorausgegangenen, schier übermenschlichen Anstrengungen und Aufregungen dieses fürchterlichen Tages war jetzt eine so tiefe Abgespanntheit und Erschlaffung über sie gekommen, daß sie sich nur noch ganz mechanisch ihrer Glieder bedienten und daß statt der Leidenschaften, Hoffnungen und Befürchtungen, von denen sie noch vor kurzer Zeit bewegt worden waren, nur dumpfe Leere in ihrem Hirn wie in ihrem Herzen war.

„Auf Wiedersehen morgen!“ das war alles, was noch zwischen ihnen gesprochen wurde. Dann, sobald man ihn in den ihm zugewiesenen Raum geführt hatte, warf sich Heideck da, wo er stand, auf die Fliesen des Steinbodens nieder und fiel fast augenblicklich in einen tiefen, traumlosen Schlaf. —

Die leuchtende indische Sonne, die durch eine runde Fensteröffnung in der Decke auf sein Gesicht schien, weckte ihn am nächsten Morgen.