Aber die Kosaken schienen nicht geneigt, ihrem Gefangenen lange Privatunterhaltungen zu gestatten.

„Mach, daß du weiterkommst, Bursche!“ schrie einer von ihnen den vermeintlichen Pagen an, „das ist ein Spion, der sogleich füsiliert werden wird. Und niemand darf mit ihm reden.“

Er machte Miene, die schlanke, zierliche Gestalt mit einer kleinen Bewegung seiner mächtigen Faust bei Seite zu schieben. Aber Georgij stieß furchtlos seinen Arm zurück und maß ihn mit einem sprühenden Blick.

„Hüte deine lästerliche Zunge, du Lügner! Tausendmal eher bist du selber ein Spion, als dieser Herr. Wenn ihr ihn nicht auf der Stelle freilaßt, wird man euch knuten, daß ihr bis an das Ende eures Lebens daran denkt!“

Die Kosaken sahen sich an und lachten. Es war wohl nur die Schönheit und halb instinktiv von ihnen empfundene Vornehmheit des dreisten jungen Burschen, die sie verhinderte, handgreiflich zu werden.

„Nimm dich in Acht, Kleiner, daß man nicht dir zuerst die Rute gibt,“ sagte gutmütig der eine, „und geh deiner Wege, damit wir dich nicht aus Versehen zwischen unseren Fingern zerbrechen.“

„Geh, Georgij,“ mahnte nun auch Heideck, da er sah, daß die Cirkassierin durchaus nicht willens schien, dem Befehl zu gehorchen. „Wenn dein Herr in der Nähe ist, so sage ihm, daß man im Begriff sei, mich gegen alles Völkerrecht zu erschießen. Aber er müsse eilen, falls er mich noch einmal lebend sehen wolle; denn es hat ganz den Anschein, als ob seine Kameraden kurzen Prozeß mit mir zu machen gedächten.“

Er hegte einigen Zweifel, ob die schöne, heißblütige Tochter der Berge ihn vollkommen begriffen habe. Jedenfalls aber sah er, daß sie sich plötzlich blitzschnell umwandte und sich mit der geschmeidigen Behendigkeit einer schlanken Eidechse einen Weg durch das Gedränge rauher Kriegsmänner suchte.

Eine neue Hoffnung war in Heidecks Herzen erwacht, und er fühlte sich mit einem Mal wieder durch tausend Bande an das Leben gefesselt, mit dem er noch soeben völlig abgeschlossen zu haben glaubte. Er wollte seinen Schritt verlangsamen, um dadurch Zeit zu gewinnen. Aber die Kosaken, die ihn bis dahin mit einer gewissen Rücksicht behandelt hatten, schienen durch den Zwischenfall mit dem Pagen gereizt worden zu sein, denn einer von ihnen trieb den Gefangenen mit herrischem Zuruf zur Eile an, und der andere erhob sogar mit drohender Geberde die Faust.